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  • 15.06.2015
  • Management

Demenzassistenzhunde

Wahre Multitasking-Talente

Treue Begleiter auf vier Pfoten: Wer an Demenz erkrankt ist, kann auf Unterstützung von wahren Multitalenten setzen. Speziell ausgebildete Demenzassistenzhunde helfen Betroffenen im Alltag beispielsweise beim Aufräumen oder Wäschewaschen. Station24 sprach mit  Assistenzhundetrainerin Janine Lehmann vom Deutschen Assistenzhunde-Zentrum unter anderem über die besonderen Fähigkeiten der Vierbeiner und die Vorteile für Demenzpatienten und deren Angehörige.

 

Was macht einen guten Demenzassistenzhund aus?

Er hält alle erlernten Standards wie zum Beispiel ein  lockeres an der Leine laufen, nichts Fressbares aufnehmen, fremde Hunde nur mit Kommando begrüßen und die speziell auf den Betroffenen erlernten Aufgaben ein. Natürlich ist er offen und freundlich seiner Umwelt gegenüber.

Was unterscheidet ihn zum Beispiel von einem Blinden- oder Epilepsiehund?

Generell müssen alle Assistenzhundearten die Standards befolgen. Das Besondere an Demenzhunden ist, dass sie einer ganzen Familie mehr Sicherheit geben können.

Kann jeder Hund für die Betreuung von Demenzkranken eingesetzt werden?

Das Deutsche Assistenzhunde-Zentrum testet jeden Hund auf seine Eignung. Dabei ist es zunächst egal, zu welcher Rasse er gehört oder wie alt er ist. Bringt der getestete Hund ein spezifisches Assitenzhundewesen mit, kann er die Ausbildung beginnen. Häufig sind Demenzhunde aber Labradore oder Golden Retriever. Denn sie sind freundlich, aufgeschlossen und apportieren gern.

Wie genau erleichtern die speziell ausgebildeten Tiere den Demenzpatienten und ihren Angehörigen das Leben?

Eine Aufgabe kann beispielsweise sein, dass der Demenzhund die Familie alarmiert, wenn der Erkrankte das Haus verlassen will.  Das lässt Angehörige oft wieder besser schlafen. Außerdem können die Hunde an die Einnahme von Medikamenten erinnern und den Demenzpatienten wieder nach Hause führen.

Das klingt nach wahren Multitasking-Talenten?

Ja, das stimmt.  Sie können sogar helfen, Waschmaschinen zu beladen und zu leeren. Eine weitere sehr schöne Begabung dieser Tiere ist, dass sie Zuneigung, Wärme und Sicherheit etwa in verwirrten Momenten geben können. So reicht vielen Erkrankte schon die bloße Anwesenheit der Hunde, um sich geborgen zu fühlen.

Für welche an Demenz erkrankten Menschen ist ein Assistenzhund geeignet?

Voraussetzung ist: Die Betroffenen und ihre Angehörigen sollten Hunde mögen und beispielsweise keine Abneigung gegen Gerüche haben. Wichtig ist, dass wirklich alle mit einem Hund einverstanden sind.

Wie reagieren die Betroffenen und ihre Familien auf die Hunde?

Familien, die sich entschieden haben, einen Hund zum Demenzhund auszubilden, sprechen von positiver Veränderung und mehr Sicherheit im Alltag.

Demenzassistenzhunde gibt es in Deutschland noch gar nicht so lange. Warum?

Grundsätzlich sind Demenzhunde weltweit die neueste Assistenzhundeart. Deshalb gibt es sie hierzulande auch erst seit kurzem. Davor wurden bei Demenz immer Therapiehunde eingesetzt. Vor circa 2 Jahren wurde dann in Großbritannien erkannt,  dass auch ein  spezieller Assistenzhund zur Betreuung von Demenzkranken ausgebildet werden und effektiv helfen kann.

Vorher waren die Hunde wie gesagt ganz normale Besuchshunde, die lediglich für ein paar Stunden in die Heime kamen. Man hatte eben nicht an die Menschen gedacht, die mit Demenz in der Familie oder sogar allein leben. Das hat sich aber zum Glück geändert!

Setzen neben Privatpersonen auch Pflegeheime Hunde zur Betreuung ein?

Das ist leider nicht möglich, da die Tiere immer auch eine individuelle Bezugsperson brauchen. Die Hunde werden immer nur auf eine Person mit ihren individuellen Bedürfnissen ausgebildet.

Inwiefern können Assistenzhunde die professionelle Arbeit von Pflegekräften ersetzen?

Ersetzen können sie sie nicht, nur unterstützen und Arbeit abnehmen, indem sie beim Aufräumen helfen oder zum Beispiel  Betroffene nach Hause bringen.

Wie lange dauert es in der Regel, bis die Ausbildung eines Assistenzhundes abgeschlossen ist?

Wenn die Ausbildung mit einem Welpen begonnen wird, dauert es etwa 1,5 bis 2 Jahre. Beginnt eine Familie mit einem vorhandenen erwachsenen Hund, kann sich die Ausbildungszeit auf rund 4 bis 6 Monate reduzieren. Es kommt allerdings immer auf den vorhandenen Gehorsam des Tieres an.

Inwiefern sind auch die  Betroffenen selbst und deren Angehörige an dieser Ausbildung beteiligt?

In der Selbstausbildung, das bedeutet der Hund befindet sich ausschließlich bei der Familie, werden alle Personen des Haushalts mit in das Training einbezogen - die Demenzpatienten je nach Stadium der Erkrankung. Soll es ein Hund aus Fremdausbildung sein, sprich das Tier würde als völlig fertig ausgebildeter Hund einziehen, wird die Familie und der Erkrankte während der Zusammenführung beispielsweise an Kommandos gewöhnt.

Wie wird der Einsatz von Demenzassistenzhunden finanziert?

Bisher übernehmen die Familien mit Demenzkranken die Kosten für die Hunde und die Ausbildung selbst. Es besteht aber die Möglichkeit, Stiftungen anzufragen oder auch Spendenaufrufe zu starten.

Frau Lehmann, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Johanna Kristen.

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