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  • 21.07.2015
  • Management

Insulintherapie bei älteren Diabetikern

Was im Alter anders ist

Wie kann der Übergang zur Insulintherapie für ältere Diabetes-Patienten verträglich gestaltet werden? Diese Frage gewinnt für Pflegende zunehmend an Bedeutung, da viele ältere und pflegebedürftige Menschen von Diabetes betroffen sind. Wird die Behandlung mit Insulin notwendig, ist diese bei Senioren häufig mit Ängsten verbunden. Die Aufnahme der Therapie fällt Pflegenden und Patienten gleichermaßen leichter, wenn besonderes Augenmerk auf das Monitoring, die Nadellänge und die Qualität der Injektionsmaterialien gelegt wird.

In Deutschland ist über die Hälfte aller Diabetiker älter als 65 Jahre. Viele der Betroffenen haben Angst vor Injektionen, fühlen sich durch die Therapie überfordert oder fürchten eine Stigmatisierung. Umso wichtiger ist es, dass verantwortliches Pflegepersonal diese Ängste nimmt und Patienten gut auf die Insulintherapie vorbereitet.

Bei insulinpflichtigen Diabetikern ist die Einhaltung der verordneten Dosis von entscheidender Bedeutung für die Blutzuckereinstellung. Dazu muss das Insulin zuverlässig in die Fettschicht unter der Haut, in das sogenannte Unterhautfettgewebe, und nicht in den Muskel verabreicht werden, um eine gleichmäßige Aufnahme des Medikaments zu gewährleisten. Das trägt zur Stabilisierung der Blutzuckerwerte bei und beugt Schwankungen bei der Blutzuckerkontrolle vor, die andernfalls zu Unterzuckerung (Hypoglykämie) führen können (1). Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel ist besonders für ältere Diabetiker extrem gefährlich und kann dazu führen, dass Patienten in ein Krankenhaus eingewiesen werden müssen. Mögliche Begleiterscheinungen sind Krampfanfälle. Im Extremfall kann die Hypoglykämie sogar zum Tod des Patienten führen. Verwenden Pflegende qualitativ hochwertige, kurze Pen-Nadeln in Verbindung mit einer geeigneten Injektionstechnik, ist das die beste Voraussetzung für eine zuverlässige Injektion der korrekten Insulindosis in das Unterhautfettgewebe.

Mit der richtigen Technik Werte stabil halten
Die Anwendung der richtigen Injektionstechnik reduziert das Auftreten von Unterzuckerepisoden und fördert stabile Blutzuckerwerte. Durch die Verwendung kurzer (zum Beispiel vier Millimeter) Pen-Nadeln können Pflegende das Risiko einer Injektion in den Muskel nachweislich senken. Im Gegensatz zum Unterhautfettgewebe (2), dessen Dicke erheblich variieren kann, ist die Haut unabhängig von Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index und ethnischer Zugehörigkeit durchschnittlich zwei Millimeter stark (3). Qualitativ hochwertige Nadeln geben die erforderliche Insulindosis zuverlässig ab und sind in der Anwendung weniger schmerzhaft für die Patienten, da sie das Risiko einer Gewebeverletzung reduzieren. Dadurch können Ängste in Verbindung mit Injektionen reduziert werden (4).

Ältere Patienten erfahren körperliche Veränderungen wie einen Verlust an Muskelmasse und eine verminderte Elastizität der Haut (5). Bei Diabetikern mit reduziertem Unterhautfettgewebe ist besonders darauf zu achten, dass die Haut bei der Verabreichung der Injektion ordnungsgemäß angehoben wird (6). Tendenziell ist das Unterhautfettgewebe dünner (7), weshalb das Risiko einer Injektion in den Muskel durch die Verwendung kürzerer Pen-Nadeln reduziert wird. Zudem ist die Bildung einer Hautfalte seltener erforderlich. Studien haben gezeigt, dass vier Millimeter große Pen-Nadeln – die kürzesten verfügbaren Nadeln – die Haut zuverlässig durchdringen und das Unterhautfettgewebe erreichen (8). So wird das Insulin zuverlässig abgegeben und das Risiko einer Injektion in den Muskel deutlich reduziert (9).

Injektionsstellen systematisch wechseln
Grundsätzlich gilt, dass für jede Injektion eine neue Nadel verwendet werden sollte. Verbleibt die Nadel im Pen, besteht die Gefahr, dass Luft in die Kartusche eindringt oder Insulin austritt. Im Fall von vorgemischtem Insulin kann sich zudem die Zusammensetzung verändern. Bei wiederholter Nutzung kann die Nadel verstopfen. All diese Faktoren können dazu führen, dass fehlerhafte Dosen verabreicht werden (10).

Zudem sollten Pflegende die Injektionsstellen systematisch wechseln. Der Facharzt oder Diabetologe sollte hierzu geeignete Empfehlungen aussprechen können. Wiederholte Injektionen an der selben Stelle können zu verhärtetem Fettgewebe (Lipohypertrophie) führen, was die ordnungsgemäße Aufnahme der Insulindosis durch den Körper beeinträchtigen kann (11). Wenn derartig verhärtetes Gewebe an den Injektionsstellen bemerkbar wird, müssen Pflegende das dem betreuenden Arzt umgehend mitteilen.

Werden die Injektionen durch einen Pflegenden oder durch Angehörige verabreicht, empfiehlt sich die Verwendung von Sicherheits-Pen-Nadeln. Diese verfügen über einen integrierten Sicherheitsmechanismus, um das Stichverletzungsrisiko für Patienten und Pflegende zu reduzieren. Zudem müssen alle Nadeln unbedingt verlässlich entsorgt werden und dürfen nicht im Hausmüll landen, um versehentliche Verletzungen anderer zu vermeiden, etwa von Mitarbeitern der Entsorgungsbetriebe oder Raumpflegern.

Bei Menschen mit Diabetes müssen Blutzuckerwerte regelmäßig gemessen werden, um optimale Therapiekontrolle zu erreichen und Stoffwechselschwankungen vorzubeugen. Diese Aufgabe fällt bei älteren Diabetikern oft Angehörigen oder Pflegenden zu. Moderne Blutzucker-Messgeräte erlauben Messungen mit einer Verlässlichkeit, die mit der von Laborgeräten vergleichbar ist (12). In die Handhabung der Geräte sollten Patienten und Pflegende von einem Facharzt oder Diabetesberater eingeführt werden. Die angewandte Technik sollte über den Therapieverlauf regelmäßig geprüft werden, um mögliche Fehlerquellen aufzudecken.

Aufgabe des Pflegepersonals: Ängste nehmen
Die optimale Blutzuckereinstellung ist das wichtigste Ziel bei der Diabetes-Therapie. Eine geeignete Injektionstechnik in Verbindung mit der Verwendung optimierter Nadeln leistet hierzu ihren Beitrag. Intelligent konzipierte und qualitativ hochwertige Medizinprodukte sind von entscheidender Bedeutung für eine sichere und verträgliche klinische Versorgung älterer Diabetiker (13). Nicht zuletzt können dadurch Ängste und Abwehrhaltungen gegenüber der Therapie reduziert werden.

 

(1) De Coninck C, Frid A, Gaspar R et al., (2010) Results and analysis of the 2008-2009 Insulin Injection Technique Questionnaire survey, Journal of Diabetes, 2 (3):168-179
(2) Huang ES, John P, Munshi M (2009) Multidisciplinary approach for the treatment of diabetes in the elderly. Aging health; 5:2:207-216
(3) Gibney MA, Arce CH, Byron KJ, Hirsch LJ (2010) Skin and subcutaneous adipose layer thickness in adults with diabetes at sites used for insulin injections: implications for needle length recommendations, Current Medical Research & Opinion, Vol. 26, No. 6: 1519-1530
(4) Gibney MA, Arce CH, Byron KJ, Hirsch LJ (2010) Skin and subcutaneous adipose layer thickness in adults with diabetes at sites used for insulin injections: implications for needle length recommendations, Current Medical Research & Opinion, Vol. 26, No. 6: 1519-1530
(5) Hirsch LJ, Gibney MA, Albanese J et al. (2010) Comparative glycemic control, safety and patient ratings for a new 4mm x 32G insulin pen needle in adults with diabetes, Current Medical Research & Opinion, Vol. 26, No.
(6) Bantle JP, Neal L, Frankamp LM (2003) Effects of the anatomical region used for insulin injections on glycaemia in type 1 diabetes subjects. Diabetes Care, 16:12:1592-97
(7) Petrofsky S, Prowse M, Lohman E (2008) The Influence of Ageing and Diabetes on Skin and Subcutaneous Fat Thickness in Different Regions of the Body, The Journal of Applied Research, Vol. 8, No. 1: 55-61
(8) Frid A, Hirsch L, Gaspar R et al. (2010) New injection recommendations for patients with diabetes, Diabetes & Metabolism 36: S3-S18
(9) Gibney MA, Arce CH, Byron KJ, Hirsch LJ (2010) Skin and subcutaneous adipose layer thickness in adults with diabetes at sites used for insulin injections: implications for needle length recommendations, Current Medical Research & Opinion, Vol. 26, No. 6: 1519-1530
(10) Misnikova IV, Dreval AV, Gubkina VA, Rusanova EV (2011) The Risks of Repeated Use of Insulin Pen Needles in Patients with Diabetes Mellitus, Journal of Diabetology, février 2011, 1:1
(11) Blanco M, Hernandez MT, Strauss KW and Amaya M. (2013) Prevalence and risk factors of lipohypertrophy in insulin-injecting patients with diabetes. Diabetes & Metabolism Oct;39 (5): 445-53
(12) Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) e.V. (2014), „Leitfaden zur Blutzucker-Selbstkontrolle"
(13) Jennifer L. Martina,  Beverley J. Norrisb, Elizabeth Murphyc, John A. Crowea. Medical device development: The challenge for ergonomics. Applied Ergonomics. Volume 39, Issue 3, mai 2008: 271–283

 

Die Informationen wurden bereitgestellt im Namen von Dr. Kenneth Strauss, Endokrinologe, Director of Safety in Medicine bei der European Medical Association und European Medical Director bei Becton Dickinson.

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