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  • 28.09.2015
  • Management

Eine App als Unterstützung im Alltag

"So einfach und praxisnah wie möglich"

Was immer pflegende Angehörige absprechen, planen oder sich merken müssen, soll künftig über eine App abrufbar sein. Wissenschaftler der Hochschule Osnabrück entwickeln derzeit gemeinsam mit der Osnabrücker Selbsthilfegruppe „Pflegende Angehörige" eine entsprechende Anwendung. Wir sprachen mit der verantwortlichen Pflege- und Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Elke Hotze über die Idee hinter der App.

Frau Professorin Hotze, technische Anwendungen, die den stressigen Alltag pflegender Angehöriger erleichtern sollen, gibt es bereits. Was ist das Besondere an der App „Heldentaten"?
Nach unseren Recherchen liegt der Nachteil der derzeit verfügbaren Apps darin, dass sie lediglich für einzelne Aufgaben geeignet sind. Zum Beispiel, um an Medikamenteneinnahmen zu erinnern. Sie orientieren sich aber zum Teil nicht an den Bedürfnissen pflegender Angehöriger. Genau da setzt unsere App „Heldentaten" an.


Was heißt das konkret?
Wir haben uns explizit an die künftige Zielgruppe der pflegenden Angehörigen gewendet und sie aktiv in den Gestaltungsprozess der Anwendung einbezogen. Was benötigt dieses Klientel wirklich in einer App? Das war unsere zentrale Frage. Denn wichtig war uns von Anfang an ein nutzerorientierter Ansatz. Ziel ist es, dass es mit der App möglich sein wird, individuelle Pakete zusammenzustellen, die exakt den jeweiligen Bedürfnisses des Anwenders angepasst sind. Alles soll so einfach und praxisnah wie möglich und schnell zu bedienen sein. Ohne unnötige Spielereien wollen wir auch jene erreichen, die nicht unbedingt technikaffin sind. Denn eine gute Pflege zuhause setzt eine gute Vernetzung aller Beteiligten voraus.

Und was ermöglicht die App im Einzelnen?
Mit der App können Nutzergruppen angelegt werden, die sich untereinander Nachrichten senden und Aufgaben verteilen können. Außerdem soll es möglich sein, beispielsweise Gebrauchsanweisungen für Badewannenlifter oder Sonden einzusehen oder auch eine Notfallmappe zu hinterlegen, mit den wichtigsten Pflegeinstruktionen falls der pflegende Angehörige selbst plötzlich erkrankt. Die Anwendung erinnert an bevorstehende Arzttermine oder die nächsten Pflegetätigkeiten. Zusätzlich können Adressen, Pflegeinstruktionen oder Gebrauchsanweisungen gespeichert werden. In kurzen Videos soll beispielsweise gezeigt werden, wie der Transfer von der Bettkante sowohl für den Angehörigen als auch für die zu pflegende Person reibungslos gelingen kann.


Das hört sich praxisorientiert, aber auch aufwändig an. Wie finanzieren Sie die Entwicklung?
Wichtig ist uns, dass die Anwendung kostenfrei bleibt. Wir arbeiten nicht profitorientiert. Das erschwert sicherlich den ein oder anderen Entwicklungsschritt. Fördergelder vom Bund haben wir bislang leider nicht bekommen. Ein erster Antrag auf Drittmittel ist abgelehnt worden. Ein weiterer Antrag ist geplant.

Sie haben Angehörige bei der Entwicklung der App einbezogen. Wie haben Sie das konkret umgesetzt?
Ja, genau. Wir haben uns mit der Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige hier in Osnabrück in Verbindung gesetzt. Sie haben uns gerne in unserer Arbeit unterstützt und waren und sind uns eine große Hilfe.

Wie ist die Idee für die App eigentlich entstanden?
Im Rahmen eines studentischen Projekts an der Hochschule Osnabrück. Informatik- und Mediendesign-Studierende wollten sich mit dem Thema Pflege und Ambient-Assisted-Living-Systemen beschäftigen. Daraus ist schließlich die Idee für „Heldentaten" hervorgegangen.

„Heldentaten" – ein ungewöhnlicher Name für eine App. Warum diese Betitelung?
In der Regel ist die Pflege von Angehörigen eher mit negativen Assoziationen verbunden: körperlicher und seelisch anstrengender Arbeit, persönlichen Entbehrungen. Es ist aber auch eine ganz besondere Lebensleistung, wenn Kinder ihre Eltern oder nächsten Verwandten pflegen. Und genau das wollen wir betonen und auf möglichst unbürokratische Weise unterstützen.

Ein Prototyp geht jetzt im Herbst an den Start. Wie geht es danach weiter?
Genau. Bis Ende des Jahres unterziehen wir die App einem ersten Praxistest. Die Angehörigen aus der Selbsthilfegruppe, Betroffene, aber auch ausgewählte Studierende haben ein Vierteljahr Zeit, die App auf Herz und Nieren zu testen. Danach schauen wir, an welchen Stellen wir nachbessern müssen, bevor wir tatsächlich den breiten Markteintritt planen können. Die App soll letztlich wie erwähnt kostenlos sein und unabhängig vom Betriebssystem auf allen mobilen Endgeräten funktionieren.

Für die weiteren Vorhaben viel Erfolg und herzlichen Dank für dieses Gespräch.


Das Interview führte Nadine Millich.
 

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