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  • 08.12.2015
  • Management

Software-Partnerschaft mit Heimen und Pflegediensten

Solinger Ärzte- und Klinikennetz optimiert Versorgung von Pflegebedürftigen

Mit einem Förderprojekt  ist es in Solingen gelungen, dass 70 Haus- und Fachärzte, die drei lokalen Krankenhäuser, zwei Pflegeheime und ein Pflegedienst besser zum Wohle ihrer Klienten zusammenarbeiten. In ihre elektronische Dokumentation fließen relevante Daten der Patienten und Pflegebedürftigen über eine bei allen Partnern installierte Vernetzungssoftware automatisch ein. So weiß jeder Behandler oder Pflegende zeitnah, worauf er bei jedem Patienten oder Pflegebedürftigen achten muss.

Ambulante Pflegedienste und Heime kennen das Problem: Verordnungen für Injektionen oder die Wundversorgung müssen oft vom Haus- oder Facharzt abgeholt werden. Pflegerelevante neueste ärztliche Diagnosen zu ihren Pflegebedürftigen erhalten sie oft nur mit erheblicher Verzögerung oder müssen sie in Arztpraxen erfragen. Außerdem sind in Heimen insbesondere Fachärzte wie Augenärzte, Zahnmediziner, auf Diabetes spezialisierte Doktoren der Inneren Medizin,  Geriater und Psychiater für demenzkranke Bewohner eher selten gesehene Gäste.

„Die Kommunikation und der nicht selbstverständliche regelmäßige Austausch unter den Akteuren aus ambulanter und stationärer Medizin, ambulanter und stationärer Pflege hat sich seit dem Start unseres Projekts solimed-Pflegemanagement im März 2013 erheblich verbessert", sagte der solimed-Geschäftsführer und Diplom-Gesundheitsökonom Mark S. Kuypers jüngst auf der Tagung „Innovationsfonds & Co - mit Fördermitteln neue Versorgungsprojekte realisieren" in Köln. Schließlich sind er und die Partner mit der Entwicklung eines deutschlandweit einzigartigen, interdisziplinären EDV-gestützten Pflegemanagement inklusive eines elektronischen Pflegeberichts in der sektorenübergreifenden Versorgung schon große Schritte vorangekommen.

1,6 Millionen Euro Fördermittel des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union hatten sich die solimed-Akteure mit ihrem Sieg beim Landeswettbewerb „IuK & Gender Med.NRW" 2013 gesichert.  Das Land steuert Mittel aus dem Ziel-2-Programm „Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung" bei, während die EU Gelder aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bereitstellt.

Drei Hauptziele verfolgen die Solinger Netzwerker mit ihrem wegweisenden Projekt:

  1. Die EDV-Vernetzung zwischen Netzärzten in Praxen und Krankenhäusern mit den Pflegekräften in ambulanter und stationärer Pflege,
  2. die Entwicklung eines medizinisch und pflegerisch informativen elektronischen Pflegeberichts sowie
  3. die Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit durch Vereinbarungen zu Prozessen und Standards sowie die Abstimmung der Kommunikation.

Gelingen konnte die Einbindung der Pflegeeinrichtungen, weil rund 70 Haus- und Fachärzte sowie alle drei Solinger Krankenhäuser bereits zuvor gemeinsam an einem Strang zogen. Haus- und Fachärzte hatten schon 2007 die solimed - Unternehmen Gesundheit GmbH & Co. KG mit ihnen als Gesellschafter gegründet und ein interdisziplinäres Haus- und Facharztnetz für Solingen aufgebaut. Ein Jahr später gewannen sie die drei örtlichen Kliniken für ihren Verbund, mit dem sie 2009 auch zwei Projekte zur besseren Integrierten Patientenversorgung nach den Paragraphen 140 a. ff. SGB V (Krankenversicherungsgesetz) in die Tat umsetzten.

Zwischenbilanz von solimed-Geschäftsführer Kuypers: „Über 11.000 Versicherte der Barmer-GEK und der AOK Rheinland-Hamburg haben sich bislang freiwillig für unsere qualitativ hochwertige Integrierte Versorgung entschieden. Über 23.000 Patienten der am Netz beteiligten Praxen sind inzwischen über unsere gemeinsame elektronische Patientenakte erfasst."  Nordrhein-Westfalens Datenschutzbehörde LDI (Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit) hatte nach einer intensiven Prüfung  bestätigt, dass die beteiligten Arztpraxen und Krankenhäuser trotz automatischer Kommunikation über Netzpatienten mit Hilfe der Schnittstellen-Software x.comdoxx, alle Datenschutzbestimmungen einhalten.

Pflege systematisch eingebunden

Für die Erweiterung des Netzwerks um die Pflegeeinrichtungen, ermittelten die Akteure zunächst gemeinsam, welche Berufsgruppe welche Informationen und Patientendaten voneinander braucht. Darauf konnten sich Ärzte aus Praxen und Kliniken recht bald mit den Pflegeexperten einigen, die das  St.-Joseph-Altenheim, das Haus Ahorn-Bethanien, das Evangelische Altencentrum Cronenberger Straße sowie der Pflegedienste Bethanien mobil und Medicus Pflegeteam vertraten.

„Schwieriger gestaltete sich die Einigung auf die Form, das Format und die Strukturierung der eigenen Daten, die bei den Pflegeeinrichtungen nicht derart systematisiert vorlagen wie in Arztpraxen und Kliniken", räumt Netzwerkmanager Mark S. Kuypers ein. Doch nachdem man sich in vielen Gesprächsrunden dann auch auf gemeinsame Mindestanforderungen an die Dokumentation, Standards für übersichtliche Formulare, die technische Umsetzung und die Vorgaben für Arbeitsabläufe verständigt hatte, nahm die fachübergreifende Kooperation und technische Entwicklung Gestalt an.

Mithilfe der nun auch bei den Pflegebetrieben installierten Kommunikations-Schnittstelle x.comdoxx entstand dann Anfang 2015 der Prototyp des solimed-Mail- und Transferprotokolls. Patienteninformationen wie ihr Medikationsplan, Vollmachten und vieles mehr werden darüber zwischen den Partnern ausgetauscht. Kuypers: „Anfragen der Pflegeeinrichtungen und -dienste, die sie bisher per Telefon oder Fax an Ärztepraxen gerichtet hatten, werden über neue Funktionen im jeweiligen bereits vorhandenen System gestellt. Dies ermöglicht eine schnelle und sichere Kommunikation zwischen der Pflege und den Praxen." Sämtliche Informationen und Daten von Medizinern und Pflegenden fließen dann auch in die vom Netzwerk bereits entwickelte elektronische Patientenakte ein.

Nunmehr ist auch für Überleitungssituationen, also den Wechsel eines Patienten oder Pflegebedürftigen zu anderen ambulanten oder stationären Versorgern, ein elektronischer Pflegebericht entwickelt worden. Vorläufige Projektergebnisse laut Manager Kuypers: „Über die technische Vernetzung  sind die solimed-Praxen  nun mit den anderen beteiligten Pflegeeinrichtungen verbunden. Zwei Pflegeheime und ein ambulanter Pflegedienst sind voll im Netz integriert."

Noch testen die Beteiligten den automatisierten Austausch ihrer  Daten untereinander. Eines funktioniert laut Mark Kuypers bereits reibungslos: „Wenn zum Beispiel ein Hausarzt den Medikationsplan ändert, erhält die für den Pflegebedürftigen zuständige Pflegefachkraft diese Informationen."

Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Bergischen Kompetenzzentrum für Gesundheitsmanagement und Public Health unter Federführung von Juliane Köberlein-Neu in Wuppertal. Regelmäßig befragen die Wissenschaftler alle beteiligten Berufsgruppen nach ihren Anforderungen, ihrer Anwenderzufriedenheit, der Praxistauglichkeit des Kommunikationstools und beurteilen die Prozess- und Versorgungsqualität sowie die Schnittstellenkommunikation über ein dafür entwickeltes stetiges Berichtsystem für Störfaktoren.

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