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  • 14.07.2016
  • Management

Ambulante Pflege

„Viele Mitarbeiter wollen Teilzeitjobs"

Im Vergleich zu der stationären Pflege gibt es in der ambulanten Pflege auffallend viele Teilzeitarbeitsverträge. Wir haben Thomas Meißner, Präsidiumsmitglied des Deutschen Pflegerats, nach den Gründen gefragt. 

Herr Meißner, in der ambulanten Pflege arbeiten die meisten Angestellten in Teilzeit. Warum ist das so?
Zunächst einmal gibt es – anders als im Krankenhaus – eine Eins-zu-Eins-Versorgung in der ambulanten Pflege. Das führt dazu, dass die Pflegenden hier in gewisser Weise von den Wünschen des Patienten abhängig sind. Der Lebensrhythmus der meisten Pflegebedürftigen bestimmt die Tagesstruktur in der ambulanten Pflege. Das führt zu Arbeitsspitzen, etwa bei der morgendlichen Grundpflege beziehungsweise Insulingabe oder den Mahlzeiten am Mittag. Zwischen 7 und 13 Uhr fallen die meisten Tätigkeiten an. Das sind die klassischen Teilzeitarbeitszeiten.

Doch auch noch nach 13 Uhr gibt es pflegerische Tätigkeiten, die ausgeführt werden müssen…
Sicherlich, allerdings wollen sehr viele Mitarbeiter in der ambulanten Pflege gar nicht in Vollzeit arbeiten, obwohl sie dies vielerorts könnten. In der Öffentlichkeit sieht es mitunter so aus, als ob sich die ambulanten Einrichtungen dem verschließen würden. Aber die Pflegenden hier arbeiten lieber durchschnittlich 30 Stunden, sind mit ihrer Arbeit zufrieden und haben Zeit für ihr Privatleben. Die Frage der Auslastung in der ambulanten Pflege ist zudem etwas anders gelagert als im stationären Bereich.

Inwiefern?
Die ambulante Pflege muss extrem flexibel sein. Wir haben keine Planbetten, Personalschlüssel oder ähnliches wie im Krankenhaus, sondern müssen uns auf tägliche Schwankungen einstellen. Darauf kann man besser reagieren, wenn mehr Pflegende in Teil- statt einige wenige in Vollzeit eingestellt sind. Wenn der Bedarf da ist, soll und wird die Arbeit erledigt, auch wenn jemand nachmittags noch zwei oder drei Patienten zusätzlich anfahren möchte, kann er das natürlich gerne tun. Aber sobald eine gewisse Art von Leerlauf auftritt – etwa, wenn mehrere Patienten ungeplant stationär behandelt werden müssen, was durchaus vorkommt – ist das mit Teilzeitkräften besser auszugleichen. Dann bleiben die Fachkräfte auch in auftragsschwachen Zeiten erhalten und das Personal kann besser am Arbeitsvolumen orientiert eingesetzt werden. Gleiches gilt natürlich auch für Auftragsspitzen.

Also je höher die Teilzeitquote, desto besser für den ambulanten Pflegedienst?
Das kann man so pauschal nicht sagen. Das Wichtigste ist, dass Mitarbeiterwünschen genauso wie Patientenwünschen Rechnung getragen wird. Die Pflegedienstleitungen müssen wissen, was ihre Mitarbeiter wollen und entsprechend flexibel darauf reagieren. Im Wettbewerb um gut ausgebildete Fachkräfte ist es für Pflegedienste mittlerweile unverzichtbar, verschiedene Arbeitszeitmodelle anzubieten. 

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