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  • 16.03.2015

Einführung

Gartentherapie - ein buntes Feld

Die Aufgabe ist klar: Einen Artikel über das Feld der Gartentherapie gilt es zu schreiben! Doch wie sollte der idealerweise aussehen? Erscheint es sinnvoller, einen historischen Abriss zu versuchen, von Pionieren und Meilensteinen zu berichten, oder wäre es doch besser, der Reihe nach die unterschiedlichen Gebiete zu beschreiben, in denen der Garten mittlerweile als Ort und Medien der Therapie genutzt wird, den Blick dabei streifen lassen von der pädagogischen Arbeit über die Altenhilfe zur Rehabilitation?

Nach diversen Versuchen wird deutlich: Es ist schwierig. Glücklicherweise mag jedoch das einführende Bild vom „Feld" der Gartentherapie helfen, immerhin ein Bild, welches der grünen Seite der Gartentherapie nur zu vertraut ist. Und dieses Feld, um die angedeuteten Schwierigkeiten anklingen zu lassen: Es zeigt sich als ein im Garten der Therapien leicht am Rande liegendes recht langes vergessenes, vielleicht auch ein wenig verunkrautetes, aber eben sehr vitales und buntes Feld.

Ja, lange vergessen war sie: die Gartentherapie. Schließlich wurden bereits vor mehr als 200 Jahren die ersten Konzepte entwickelt, auf die sich heute die Gartentherapie beruft. Die psychiatrische Reformbewegung brachte seinerzeit ganz neue, auf Beschäftigung beruhende Therapien hervor. Infolgedessen gehörten zu den damals gegründeten Einrichtungen letztlich immer ebenso große landwirtschaftliche Areale. Und als sich 100 Jahre später langsam der Begriff der Arbeitstherapie herausprägte, war es noch immer vor allem landwirtschaftliche und gärtnerische Arbeit, die als Medium genutzt wurde. Doch nicht nur das Aktivsein, sondern auch der Wert der reinen Begegnung mit der Natur, mit der Schöpfung, wurde bereits damals als elementarer Bestandteil angesehen.

Erst vor gut 30 Jahren keimten, zunächst in der Arbeitstherapie psychiatrischer Einrichtungen, später dann auch in der Rehabilitation, wieder kleine Pfänzlein der Gartentherapie. Wie bei einem langen vergessenen Stück Garten wehten dabei viele verschiedene „Sämereien" aus seiner Umgebung ein. Und auf diesem Grund sind denn nun zu finden: die Gartentherapeuten, quasi als blühende Pfänzchen dieses Feldes.

Zu den „Pionierpflanzen" gehört ohne Zweifel Anja Mühlinghaus, Gärtnerin und Pädagogin aus Köln. Sie mag beispielhaft für jene Personen stehen, die ihre „grüne Seite" in ihr therapeutisches Arbeitsfeld einbringen wollten. „Die Gartentherapie bietet so viele Möglichkeiten, den Klienten Hilfreiches anzubieten, mit ihnen etwas auf die Beine zu stellen und Dinge nachhaltig und positiv zu verändern und die eigene therapeutische Handschrift einzubringen", sagte Mühlinghaus.

Über viele Jahre hat sie dieses in einer Werkstatt für behinderte Menschen getan, eines der Urfelder der Gartentherapie. Ob bei der gärtnerischen Pflanzenproduktion oder in der Altenpflege, allein in Deutschland kennt die Datenbank Rehadat immerhin über 400 Werkstätten, die Angebote im grünen Bereich anbieten.

Mittlerweile arbeitet Mühlinghaus gartentherapeutisch im Maßregelvollzug, einem zwar nicht so breit vertretenen Bereich der Gartentherapie, wie jener der Werkstätten, sicher aber einem im Grunde sehr typischen Bereich. Das Potenzial des Gartens als „Frei-Raum" wird schließlich insbesondere dort deutlich, wo man von „totalen Institutionen" sprechen muss - und das reicht von Gefängnissen bis zur Altenhilfe.

Genau hier war jahrelang als eine weitere Pionierin Maria Putz tätig. Als Ergotherapeutin machte sie bereits vor 30 Jahren Beobachtungen zu der eher spärlichen Nutzung des Parks ihrer damaligen Arbeitsstelle, einem Pflegeheim in Klosterneuburg bei Wien. Dies hat, wie sie selber im Rückblick sagt, damals ihre Neugier, mit diesem Medium zu experimentieren, gefördert. Mittlerweile ist die Gartentherapie ihr Spezialgebiet geworden.

Theo Reinartz von der LVR-Klinik in Düren ist jemand, der seine eigene Faszination an der Arbeit mit Pflanzen auch in einen therapeutischen Zusammenhang setzen wollte. Der Gärtnermeister hat sein damaliger Zivildienst in einem Altenpflegeheim dazu geleitet, sich nach Abschluss der Meisterprüfung in das therapeutische Fach zu begeben, zunächst mit der sonderpädagogischen Zusatzausbildung im Bereich Arbeitsrehabilitation, später auch mit der Weiterbildung als Gartentherapeut.

Mit dem Satz „Es erfüllt mich mit großer Genugtuung, wenn ich kranken Menschen mit der Tätigkeit im Grünen eine lebenswerte Perspektive anbieten kann. Ich bin Gärtner aus Leidenschaft! Und es ist schön, wenn ich anderen Menschen die Begeisterung für Pflanzen und die Natur im allgemeinen nahe bringen kann", bringt er die Beweggründe vieler Gartentherapeuten auf den Punkt.

Betrachtet man also das Feld der Gartentherapie, so zeigt es sich als ein bunt blühendes und sich ständig weiter entwickelndes. Es berührt viele Fachgebiete, es erscheint sinnvoll für die unterschiedlichsten Klienten und es ist geprägt von einer ebensolchen Vielfalt von Menschen. Nicht zuletzt dieses macht auch und gerade im Vergleich mit den so lange als großes Vorbild geltenden USA einen ungemeinen Vorteil aus.

Gerade aus der täglichen therapeutischen Praxis heraus, aber eben auch bereichert durch die unterschiedlichsten Ansätze, hat sich in diesen letzten Jahren eine hohe therapeutische Qualität entwickelt.

 

 

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