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  • 04.05.2015
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Gießener Sterbestudie 2015

Vorreiter Hospiz

Obwohl die aktuelle Gießener Sterbestudie der Versorgungsqualität in deutschen Hospizen ein hohes Niveau attestiert, wird nur ein sehr geringer Prozentsatz der sterbenskranken Menschen hierzulande in einer stationären Hospizeinrichtung betreut. Etwa die Hälfte der Betroffenen stirbt in Krankenhäusern, rund ein Drittel in Heimen, etwas mehr als zehn Prozent in den eigenen vier Wänden.

 

Zwischen Herbst 2014 und Frühjahr 2015 hat ein Forscherteam um den Leiter des Projektbereichs für Versorgungsforschung der Gießener TransMIT GmbH, Wolfgang George, die Versorgung in 54 deutschen Hospizen analysiert. Das Resultat: eine hohe Qualität. Vor allem im Vergleich mit Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Punkten können die Hospize im Gegensatz zu Kliniken und Altenpflegeeinrichtungen überaschenderweise mit dem Faktor Zeit und Personalausstattung. 9 von 10 in der Studie Befragten gaben an, sich immer oder oft Zeit für die Betreuung Sterbender nehmen zu können. 85 Prozent erklärten einen hinreichende Zahl qualifizierter Pflegekräfte zur Versorgung der Betroffenen.

Ärzte und Seelsorger stünden ebenso ausreichend zur Verfügung, sagten drei Viertel der Studienteilnehmer. Außerdem waren rund 90 Prozent der Pflegekräfte mit dem Miteinander innerhalb der eigenen Berufsgruppe und dem Verhältnis von Pflegenden und Medizinern zufrieden.

Auch die medizinische Versorgung erhielt ein sehr gutes Zeugnis: 92 Prozent berichteten eine gelungene Schmerztherapie und 96 Prozent eine gut bis sehr gut gelungene Symptomkontrolle. Darüber hinaus schnitt auch die Kommunikation mit den Patienten gut ab: Rund zwei Drittel der Befragten teilten mit, dass die Sterbenden immer über ihre Prognose aufgeklärt würden. Insgesamt sahen 96 Prozent die Menschenwürde im Umgang mit den Sterbenskranken beachtet.

Das große Manko in den Hospizen ist laut der Erhebung die berufliche Vorbereitung. Nur 12 Prozent der Befragten bewerteten die Ausbildung als gut oder sehr gut. Etwa die Hälfte der Pflegenden bezeichnete sie als mangelhaft. 88 Prozent haben sich nachträglich für die Betreuung Sterbenskranker weitergebildet.
 

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