Passwort vergessen
  • 02.04.2014
  • Management

Interview

„Hände weg von der Altenpflege-Ausbildung!"

Sebastian Thieswald, Pflegemanager der SenVital GmbH in Chemnitz und sächsischer Landesvorsitzender des Deutschen Verbands der Leitungskräfte von Alten- und Behinderteneinrichtungen (DVLAB), sammelte auf der Altenpflege 2014 Unterschriften für das „Bündnis für Altenpflege", dessen Ziel der Erhalt der Altenpflege-Ausbildung ist. Unser Redakteur Stephan Lücke traf ihn auf der Messe und hakte nach.

Herr Thieswald, Sie machen publikumswirksam Stimmung gegen die generalistische Ausbildung. Was ist Ihre Motivation?
Ich bin fest davon überzeugt, dass der Altenpflege-Beruf, den ich selbst vor 24 Jahren gelernt habe, gut und erhaltenswert ist. Uns geht es nicht darum, Stimmung gegen die Generalistik zu machen, sondern die Altenpflege-Ausbildung zu erhalten.

Aber die Generalistik bietet viele Vorteile …
Nicht für die Altenpflege. Dieser Bereich der Pflege ist so komplex geworden, dass ein hohes Maß an Fachlichkeit erforderlich ist. Diese Fachlichkeit kann in einer generalistischen Ausbildung, in der drei spezialisierte Pflegeausbildung in einer gemeinsamen Ausbildung zusammengefasst werden, nicht mehr in ausreichendem Maß vermittelt werden. Insofern halten wir die Generalistik und damit die Abschaffung des Altenpflege-Berufs für einen Schritt in die falsche Richtung, und sagen ganz klar: Hände weg von der Altenpflege-Ausbildung.

Welche Resonanz haben Sie auf der Messe?
Eine extrem gute. Zwei Drittel aller Messebesucher, mit denen wir sprechen, freuen sich über das Bündnis. Viele Leute klopfen uns auf die Schulter und sagen: „Toll, dass ihr euch für uns einsetzt."

Nichtsdestotrotz ist die generalistische Ausbildung politisch beschlossene Sache. Verunsichern Sie die Berufsgruppe zu solch einem Zeitpunkt nicht mit Ihrer Aktion?
Keinesfalls. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Politik einem so massiven Meinungsbild nicht einfach vorbeigehen kann. Man sollte uns seitens der Regierung mit an den Verhandlungstisch holen und prüfen, ob eine konzentierte Kehrtwende im Sinne eines Großteils der Berufsgruppe möglich ist. In einer parlamentarischen Demokratie einfach über die Köpfe so vieler Menschen hinweg zu entscheiden, halte ich für ein gefährliches Signal.

Herr Thieswald, besten Dank für dieses Gespräch.

Das Interview führte Stephan Lücke.

Informationen über das Bündnis für Altenpflege finden Sie hier. 
 

Autor

WEITERE FACHARTIKEL AUS DEN KATEGORIEN