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  • 26.09.2014
  • Management

Interview zum Forderungskatalog von "Pflege am Boden"

"Wir machen weiter, bis sich spürbar etwas ändert"

Die Protestbewegung "Pflege am Boden" hat ein Thesenpapier mit 10 Forderungen für eine bessere Pflege in Deutschland erstellt. Über die Hintergründe sprachen wir mit Roger Konrad (34), Mitglied der "Pflege am Boden"-Bundes-Orga-Gruppe und "Pflege am Boden"-Koordinator für Frankfurt am Main.

Herr Konrad, die Protestbewegung "Pflege am Boden" hat 10 Forderungen für eine bessere Pflege in Deutschland formuliert. Wer genau hat das Thesenpapier verfasst?
Die 10 Forderungen sind ein Gemeinschaftsprodukt unserer bunten "Pflege am Boden"-Gemeinschaft. Der Entstehungsprozess zog sich ein paar Monate hin und umso mehr freut es uns, dass wir sie noch vor dem ersten Geburtstag unserer bundesweiten Bewegung präsentieren und veröffentlichen können.

Wo und in welchen Rahmen erfolgt die Veröffentlichung?
Eine erste Präsentation der 10 Forderungen erfolgte im Rahmen des NRW-Tages am 13. September in Düsseldorf. Da wir aber eine dezentrale Struktur und keinen echten Chef haben, erfolgt die Veröffentlichung der Forderungen weiterhin im Rahmen unseres Grundgedankens "act local – think global" - über vorhandene Kontakte konnten wir sie in der bundesweiten Pflegeszene bereits breiter streuen. Erfreulich ist für uns, dass unter anderem Werner Schell die Forderungen in seinem Forum veröffentlicht hat und ganz besondere Freude empfinden wir darüber, dass Herr Hofer aus Österreich die Forderungen in seiner aktuellen Ausgabe von „Lazarus" international präsentiert hat. Darüber hinaus werden wir die Forderungen Stück für Stück an die Politik und die Kostenträger übergeben und diese mit Fragen konfrontieren, um die bislang ungeklärte Zuständigkeit langsam aber sicher zu beantworten.

Welche der 10 Forderungen liegt Ihnen persönlich besonders am Herzen?
Das ist für mich wirklich schwer zu sagen, da in meinen Augen jede Forderung ihre deutliche Berechtigung hat und ich alle für sehr wichtig halte – eben auch, weil sie Pflegegruppen-übergreifend formuliert sind. Wir sehen in den 10 Forderungen einen aussagekräftigen Minimalkonsens und wir haben uns auch bei der Ausarbeitung von uns bekannten Pflege-Experten - aus unterschiedlichen Disziplinen - beratend unterstützen lassen.

Sie sind Altenpflege-Auszubildender aus dem ambulanten Bereich. Wie kommt es, dass Sie schon während der Ausbildung offensichtlich so unzufrieden ist, dass Sie sich so vehement für eine bessere Pflege engagieren?
Ich selbst bin ja inzwischen in meinem zwölften Pflegejahr - wenn man die Jahre meines Zivildienstes und meiner Tätigkeit als nicht-examinierten Kraft dazuzählt. Da sich die Rahmenbedingungen aber weiterhin zuspitzen und  es keine echte Aussicht auf Besserung gab, habe ich mich dazu entschieden, aktiv mitzugestalten. In erster Linie ging es mir bei Ausbildungsbeginn darum, in der praktischen Arbeit mehr Gestaltungsmöglichkeiten wahrzunehmen. In zweiter Linie wurde mir deutlich bewusst, dass es eben nicht nur innerbetrieblich darum geht, Veränderungen herbeizuführen, sondern darum, insgesamt mehr Mitspracherecht der Pflege zu erstreiten. Dass man sich dafür auch mal auf den Boden legen muss, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, empfinde ich nicht als Demütigung, wie es uns viele Kritiker immer wieder vorhalten. Ein Kopf-in-den-Sand-stecken und Weitermachen-wie-bisher möchte ich nicht länger akzeptieren. Denn bei allen finanziellen Aspekten geht es hier immer noch um Menschen und um ein würdevolles Altern. Letzteres ist per Definition sogar ein Menschenrecht.

Wie geht es mit der Protestbewegung "Pflege am Boden" weiter?
Ganz konkret bleibt es erst einmal dabei, das wir uns weiterhin jeden zweiten Samstag im Monat in den verschiedenen Städten an öffentlichen Plätzen auf den Boden legen, um auf den vorhandenen Missstand aufmerksam zu machen. Des Weiteren werden wir nicht aufhören, die Politik und Kostenträger mit unseren Forderungen zu konfrontieren,  bis sich spürbar etwas am Pflegebett ändert. Am 22. November wird es im Rahmen der Jobmedi in Hannover unser zweites Bundes-Orga-Treffen geben, auf dem wir uns kreativ, inhaltlich und strategisch an die Jahresplanung für 2015 machen. Denn: Das Jahrzehnt der besseren Pflege hat gerade erst begonnen.

Herr Konrad, weiterhin viel Erfolg und besten Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Stephan Lücke.

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