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  • 15.12.2014
  • Bildung

Kongress

8. Forum Palliativmedizin

350 Palliativmediziner und Experten haben auf dem 8. Forum Palliativmedizin in Berlin über die Weiterentwicklung der ambulanten und stationären Palliativversorgung diskutiert. Sie fordern unter anderem einen Palliativbeauftragten pro Krankenhaus, Palliative Care-Kräfte in Pflegeheimen, Basisschulungen für stationär und ambulant Pflegende sowie spezielle Fortbildungen für den Umgang mit Menschen mit Demenz am Lebensende.

Die Versorgung von schwerkranken und sterbenden Menschen sei immer noch nicht zufriedenstellend, sagte Friedemann Nauck, Palliativmediziner und wissenschaftlicher Leiter der Veranstaltung, in seiner Eröffnungsrede. „Wir brauchen dringend eine noch bessere stationäre und ambulante Versorgung am Lebensende mit besonderem Fokus auf Patienten in stationären Pflegeeinrichtungen. Dort muss dringend die Versorgungsqualität sichergestellt werden. Außerdem sprach sich Nauck für bessere Rahmenbedingungen und eine einheitliche Vergütung aus. So sei die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) immer noch unterfinanziert, viele mit den Kassen vereinbarte Verträge seien nicht kostendeckend. "Das ist ein ganz brisantes Thema, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um die Sterbehilfe in Deutschland", so Nauck.


Versorgungslücken vor allem auf dem Land

Palliativmediziner sprächen sich gegen die Tötung auf Verlangen beziehungsweise den assistierten Suizid durch den Arzt aus und verwiesen auf die Möglichkeiten der Symptomkontrolle. Zwar ließen sich bei den meisten Schwerkranken mit palliativmedizinischen Strategien belastende Krankheitssymptome wie Schmerzen, Luftnot, Übelkeit oder Angst weitestgehend lindern, flächendeckend würden die palliativmedizinischen Möglichkeiten aber noch nicht ausgeschöpft. „Da gibt es noch Nachholbedarf.", sagte Nauck. Noch immer bestünden Versorgungslücken, vor allem auf dem Land.
Laut Astrid Schnabel, Ärztin im Leipziger SAPV-Team, braucht Deutschland auch mehr Fachkräfte in der ambulanten und stationären Altenpflege. Allein eine Basisschulung zur Palliative Care Fachkraft für wenige Mitarbeiter könne den Pflegestandard in der Bundesrepublik flächendeckend verbessern. „Wäre die Grundversorgung gesichert, müsste es in vielen Fällen keine SAPV in Pflegeheimen geben", erklärte die Medizinerin, bei der Vorstellung einer Forschungsarbeit zum Bedarf von Palliativmedizin in stationären Pflegeeinrichtungen. Die im Rahmen einer von der Robert Bosch Stiftung geförderten Forschungswerkstatt initiierte Untersuchung zeigte, dass es eine gewisse Anzahl geschulter Palliative Care-Fachkräfte in Pflegeheimen geben sollte. Ein weiterer Baustein ist der Studie zufolge etwa die stützende Palliativbegleitung von Demenzkranken. Sie hätten eine andere Art, Schmerzen zu zeigen. So müsse oft herausgefunden werden, was dem Patienten eigentlich fehle. Das setze auch ein geschultes Auge voraus.  


Schwarze Zahlen sind nicht alles

Zudem machten die Referenten auf der Veranstaltung deutlich, wie wichtig es sei, den Mensch im Sterben trotz zunehmender Wirtschaftlichkeit angemessen zu begleiten. Dazu wollen sie auch eine entsprechende Sorgekultur etablieren. In seinem Eröffnungsvortrag „Sorge am Lebensende - geht das unter zunehmendem ökonomischen Druck" mahnte der Medizinethiker und Arzt Giovanni Maio aus Freiburg das Auditorium, das wirtschaftliche Leistungsdenken nicht zum Ziel der eigenen Tätigkeit zu erklären. „Was ein Sterbender am Lebensende braucht, ist Zuwendung. Um die Bedürfnisse eines sterbenden Menschen zu erkennen, muss man ihn kennenlernen und das braucht Zeit". Das ließe sich nicht in schwarzen Zahlen abbilden.
Wertschätzung der eigenen Arbeit in einer Refinanzierung zu sehen, das funktioniere nicht, erklärte der Onkologe und Palliativmediziner Bernd Oliver Maier aus Wiesbaden. Allerdings sei Palliativmedizin heute ein fester Bestandteil des Gesundheitssystems und somit als zusätzliches Leistungsangebot zu sehen, das von anderen Fachdisziplinen kreativ eingesetzt werden müsse. Gerade in der ambulanten Versorgung ist die frühzeitige Auseinandersetzung mit den vorhandenen Strukturen, Bedürfnissen und Belastungen des Patienten relevant. Danach sei es beispielsweise sinnvoll, den Bedarf in Form eines frühzeitigen, flexibel anpassbaren Pflegeplans (Advanced Care Planning) zu strukturieren.


Zusammenarbeit von Onkologen und Palliativmedizinern gefragt

Besonders das Zusammenspiel der Fachdisziplinen Palliativmedizin und Onkologie sei prognostisch relevant für die betroffenen Patienten, beschrieb Gesine Benze, Palliativmedizinerin aus Göttingen, den aus dem englischen abgeleiteten Ansatz „Early Integration". Grundsätzlich müsse eine Therapiezieländerung erfolgen, wenn die bisherige Tumortherapie für den Patienten nicht mehr medizinisch indiziert sei. Im Einzelfall sei die Intuition des Behandlers mitentscheidend für den Zeitpunkt einer Änderung. Onkologen und Palliativmediziner müssten deshalb frühzeitig zusammenarbeiten, Tumorboards dürften nicht ohne Palliativmediziner stattfinden. In onkologischen Praxen empfiehlt sie, eine regelmäßige palliative Sprechstunde einzuführen.

Fazit des Forums: Die Aufgaben der Palliativmedizin liegen im flächendeckenden Ausbau der stationären und ambulanten Strukturen. Eine bessere ambulante Grundversorgung entlastet in vielen Fällen die SAPV-Teams, weil nach einer Krisenintervention die Patienten wieder in die hausärztliche Versorgung übergeben werden können. Gefordert werden deshalb mehr Hausärzte und Pflegekräfte in der stationären und ambulanten Pflege mit Basisschulungen in Palliative Care. Eine frühzeitige Pflegeplanung und Einbindung von Palliativmedizinern kann in vielen Fällen Krisenintervention vermeiden helfen. Die jetzige Finanzierung ist noch nicht bedarfsdeckend und muss auf eine breite, qualitätsgesicherte und sichere Basis gestellt werden.

Etwa 5.000 Palliativmediziner arbeiten in Deutschland. Inzwischen gibt es bundesweit rund 276 SAPV-Teams. Circa 230 Palliativstationen sind an die 2.000 deutschen Krankenhäuser angeschlossenen. Insgesamt gibt es 200 stationäre Hospize. Rund 1.500 ambulante Hospizdienste kümmern sich ehrenamtlich um Sterbende in allen Einrichtungen oder zu Hause.

Das nächste Forum Palliativmedizin der Aesculap Akademie findet vom 6. bis 7. November 2015 im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin statt. Eine Anmeldung ist bereits jetzt möglich: www.forum-palliativmedizin.de

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