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  • 11.04.2016
  • Management

Interview zur Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein

„Richtig und wichtig"

Schleswig-Holstein ist nach Rheinland-Pfalz das zweite Bundesland, das eine Pflegekammer gegründet hat. Im Juli 2015 wurde im Kieler Landtag mit den Stimmen der SPD, Bündnis 90/Die Grünen und des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW) die Selbstverwaltung in der Pflege beschlossen. Welche Schritte stehen nun aktuell an? Wir haben bei Patricia Drube, Vorsitzende des Errichtungsausschusses und Referentin für Pflegeunternehmer/-innen und Langzeitpflege beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest, nachgefragt.

 

Frau Drube, wann nimmt die Landespflegekammer in Schleswig-Holstein ihren Betrieb auf?
Spätestens am 9. Juni 2018 muss die Pflegeberufekammer stehen. Wir sind derzeit optimistisch, dass wir es einige Monate früher schaffen.

Wo stehen Sie aktuell?
Zunächst mussten wir die Arbeitsfähigkeit des Errichtungsausschusses herstellen. Das heißt: Unterausschüsse bilden, das Miteinander in einer Geschäftsordnung regeln, uns über die Entschädigung der ehrenamtlichen Arbeit der Mitglieder verständigen und die zu bearbeitenden Themen nach Priorität ordnen und verteilen. Wesentliche Grundlage für unsere Arbeitsfähigkeit sind finanzielle Mittel. Da es keine Anschubfinanzierung vom Land gibt, werden wir in diesem Monat ein Darlehen aufnehmen. In Neumünster haben wir geeignete Räume für eine Geschäftsstelle gefunden, die wir voraussichtlich im Mai beziehen werden.

Was sind die nächsten Schritte, die anstehen?
Wir werden definieren, wie das Verfahren der Registrierung ist, auf der Grundlage der gesetzlichen Vorgaben eine Meldeordnung erstellen und die technischen Voraussetzungen für die Registrierung schaffen - heißt: Anschaffung von Hard- und Software. Parallel dazu arbeitet der Ausschuss für Öffentlichkeitsarbeit auf Hochdruck an einem Konzept für die flächendeckende Information unserer Berufsgruppe.

Sie haben für Ihre Kammer bewusst den Begriff Pflegeberufekammer gewählt. Warum?
Den Begriff Pflegeberufekammer hat der Gesetzgeber gewählt. Er hält ihn für zutreffender als den Begriff Pflegekammer. Es handelt sich schließlich nicht um eine Kammer für die Pflegebranche, sondern um eine Kammer der Heilberufe in der Pflege. Der Landtag in Schleswig-Holstein hat das „Gesetz zur Errichtung einer Kammer für die Heilberufe in der Pflege" verabschiedet.

Ist der Begriff Pflegeberufekammer nicht gerade auch vor dem Hintergrund der angestrebten Generalistik ein falsches Signal?
Nein, auf keinen Fall. Derzeit gibt es unter den Pflegeberufen drei Heilberufe. Genau für diese drei Heilberufe ist die Kammer zuständig. Das Gesetz sorgt dafür, dass diese drei Berufe in der Kammerversammlung entsprechend ihres Anteils an allen Kammermitgliedern vertreten sind. Das ist richtig und wichtig, damit nicht der Eindruck entsteht, es sei eine Krankenpflegekammer. Ein Zusammenwachsen der Berufsgruppen zu einem einheitlichen Berufsstand ist eines der Ziele der Pflegeberufekammer, und aktuell ist wichtig, dass sich möglichst jeder vertreten sieht. Wenn wir nur noch einen pflegerischen Heilberuf haben, wird dies unproblematisch im Kammerrecht umgesetzt werden können.

Wie erleben Sie die Stimmung unter den schleswig-holsteinischen Pflegenden momentan?
Unsere Informationskampagne hat noch nicht begonnen. Dennoch haben wir schon jetzt den Eindruck, dass die Stimmung besser wird, je besser der Informationsstand ist. Wöchentlich melden sich Kolleginnen und Kollegen, die dem Errichtungsausschuss ihre Unterstützung anbieten.

Dennoch gibt es unter vielen Pflegenden nach wie vor Skepsis und Häme in Bezug auf Pflegekammern. Wie erklären Sie sich das?
Wir sind eine Berufsgruppe, die bewusst in der Pflege arbeitet und nicht in der Verwaltung. Verwaltung ist negativ assoziiert und wird mit Bürokratie in Verbindung gebracht. Ich kann nachvollziehen, dass Kolleginnen und Kollegen kritisch darüber denken, einen Verwaltungsapparat finanzieren zu müssen. Während die Pflicht, Beiträge zu zahlen, sehr konkret und greifbar ist, werden die positiven Wirkungen der Pflegeberufekammer erst mit einer zeitlichen Verzögerung wahrnehmbar sein und haben derzeit eher eine abstrakte Gestalt.

Wie würden Sie die Vorteile einer Pflegekammer für die Pflegenden in Schleswig-Holstein auf den Punkt bringen?
Die Pflegeberufekammer wird die größte Heilberufekammer des Landes sein. Durch einen mandatierten Ansprechpartner unserer Berufsgruppe werden die Macht und der Einfluss im Gesundheitswesen zugunsten der Pflege umverteilt werden.

Möchten Sie Präsidentin der Pflegeberufekammer Schleswig-Holstein werden?
Das beschäftigt mich derzeit gar nicht. Es gibt sehr viele engagierte, kompetente Kolleginnen und Kollegen im Land und ich verstehe es als meine Aufgabe, sie zu motivieren, sich einzubringen. Ich wünsche mir, dass die Kammerarbeit auch diejenigen ins Licht rückt, die bisher nicht auf der berufspolitischen Bühne zu sehen waren.

Frau Drube, gutes Gelingen weiterhin und herzlichen Dank für das Gespräch.

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