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41. Fortbildung für Pflegende

Mehr Engagement von und für Pflegende gefordert

Pflegende müssen sich stark machen für ihren Beruf. Das war die zentrale Botschaft der von der B. Braun-Stiftung in Kooperation mit dem Bibliomed Verlag veranstalteten 41. Fortbildung für Pflegende in Kassel.

"Die Pflegesituation war noch nie so gut wie heute", konstatierte Joachim Prölß, Mitglied des Vorstands der B. Braun-Stiftung und Direktor für Patienten- und Pflegemanagement sowie Mitglied des Vorstands am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Politik habe die Probleme der Pflege endlich verstanden.

Unisono forderten die Referentinnen und Referenten die über 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, sich aktiv einzubringen, gemeinsam zu gestalten, den Zusammenhalt zu fördern und für die Profession Pflege zu werben.

"Die Politik entdeckt die Pflege", stellte auch der Pflegedirektor des St. Josefs-Hospitals in Wiesbaden, Arne Evers, fest. Er führte das Auditorium durch die aktuelle Entwicklung der Gesetzgebung zum Thema Pflegepersonaleinsatz – vom Pflegepersonalstärkungsgesetz über die Konzertierte Aktion Pflege und die Pflegepersonaluntergrenzen-Vereinbarung (PpUGV) bis hin zum Pflegepersonalbemessungsinstrument (PPBI). Letzteres sei eine „Exitstrategie“ für die Pflegepersonaluntergrenzen (PpUG), die den tatsächlichen Pflegebedarf vernachlässigten, nur Durchschnittswerte ermittelten und zu einem hohen "Bürokratieaufwand" führten. Bis zum 31. Dezember dieses Jahres müsse ein PPBI-Entwurf vorliegen, um künftig eine tatsächliche Nurse-to-Patient-Ratio ermitteln zu können. Offen bleibe die weitere Entwicklung nach dem sogenannten "Pflexit".

Was darunter zu verstehen ist und welche Folgen sich daraus ergeben, erläuterte die Geschäftsführerin und Pflegedirektorin der DRK-Kliniken Nordhessen, Claudia Nehrig. Sie stellte u. a. PflegebudgetPflegepersonalkostenausgliederung, Pflegepersonalkostenabgrenzungsvereinbarung, die Berechnung der neuen Personalkostenvergütung, die sogenannten pflegesensitiven Bereiche und die Sanktionen im Falle einer Unterschreitung der PpUG vor. Die Untergrenzen sieht auch sie kritisch und plädierte für eine bundeseinheitliche Pflegepersonalbedarfsermittlung.

Wie sich Pflegeakademiker in den Pflegeprozess integrieren lassen, beschrieb die Pflegedirektorin des Universitätsklinikums Freiburg, Johanna Feuchtinger, am Beispiel ihres Hauses. Trotz vieler anfänglicher Vorbehalte und damit einhergehend Fehleinschätzung oder Negieren der Kompetenzen seitens der etablierten Pflegenden, seien Akademiker ein Gewinn für das Uniklinikum: "Es lohnt sich auf alle Fälle, Pflegeakademiker in die Pflege zu integrieren", so ihr Fazit.

Über die Vorteile und Lernerfahrungen einer interprofessionellen Ausbildungsstation (IPSTA) referierten Martin Fischer und Birgit Wershofen vom Institut für Didaktik und Ausbildungsforschung in der Medizin des Klinikums der Universität München. Die Professionen verbesserten ihre Zusammenarbeit u.a. durch gemeinsames Lernen und erarbeiten von Lösungen sowie durch Austausch von Wissen. Auf diese Weise würden z. B. Defizite in der Kommunikation überwunden, Versorgungsqualität und Patientensicherheit gewährleistet, die Arbeitszufriedenheit und Teamarbeit verbessert. Allerdings mangele es noch an einem bundesweiten IPSTA-Rahmenkonzept, auch die Forschung in diesem Feld müssen vorangetrieben werden. Fischer verdeutlichte die Bedeutung interprofessioneller Zusammenarbeit an einem Beispiel: "Nur 11 % der Visiten sind interprofessionell. Das ist ein Problem!"

Probleme gibt es auch in der Ernährung von Patientinnen und Patienten im Krankenhaus. Wie sich diese lösen lassen, erläuterte Diätassistentin und Leiterin des Ernährungsteams am Universitätsklinikum Tübingen, Daniela Schweikert. So begleite das Ernährungsteam Patientinnen und Patienten von der prästationären Phase (z. B. Beratung, Initiierung einer Ernährungstherapie) über den stationären Aufenthalt (z. B. Einleiten der Therapie, Austausch mit Diätküche, Austausch mit den beteiligten Professionen, Therapieempfehlungen) bis zur Anschlussversorgung (z. B. Therapie-Monitoring, Beratungsgespräche).

Das Modell Fast-Track und ihre Tätigkeit als Fast-Track-Assistentin stellte Ina Lang vom Städtischen Klinikum Solingen vor. Ziel dieses Behandlungsmodells sei es, die Genesung zu beschleunigen und postoperative Komplikationen zu vermeiden. Dabei zeige sich, dass der Pflegeaufwand präoperativ und am OP-Tag selbst zwar höher sei, im Vergleich zum traditionellen Behandlungsprozess in den Folgetagen aber schneller abnehme und die Verweildauer deutlich sinke.

Am Beispiel der Pneumonieprophylaxe veranschaulichte Dennis Müller, Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie am Universitätsklinikum Münster, wie Kernkompetenzen der Pflege Leben retten können. 20 % aller nosokomialen Infektionen seien Pneumonien. 4.300 Menschen stürben jährlich allein in Deutschland, die Zahl der Verkehrstoten sei deutlich geringer, dennoch stehe das Problem nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Anhand eines Patientenfalls beschrieb Müller, worauf Pflegende im Umgang mit diesen Patientinnen und Patienten achten und warum sie zu deren Wohl gewisse pflegerische Tätigkeiten anpassen, priorisieren und sogar rationieren sollten.

Die Macht und Magie der Sprache zeigte Gesprächstherapeutin und Inhaberin der SprachGUT® Akademie, Sandra Mantz, auf. "Echte Sprache ist voller Emotionen", sagte sie und appellierte an die Anwesenden, ein Sprachbewusstsein und mehr Sprachsensibilität zu entwickeln. Wie anders komme der Inhalt eines Satzes beim Gegenüber an, wenn Pflegende das Wort "müssen" etwa durch "können", "dürfen" oder "möchten" ersetzten. Gute Kommunikation strahle Kompetenz aus.

Am Ende ihres Vortrags warb Mantz für die Aktion "1min.care – Applaus für die Pflege".

Der Applaus des Publikums soll ein Zeichen sein für u. a. Wertschätzung, Respekt, Dank und nicht zuletzt die Aufwertung des Pflegeberufs. Das Motto: "Schenken Sie der Pflege, den Pflegenden und den Menschen, die gepflegt werden, im Land 60 Sekunden lang Ihren Applaus für 24 Stunden täglichen Einsatz an 365 Tagen im Jahr." Eine Minute sammelte Mantz auch auf der Fortbildung für Pflegende

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