Passwort vergessen
  • News

Pflegefachkräftemangel

Unikliniken Essen und Düsseldorf ringen um Pflegende

Vor rund 12 Monaten haben sich die Unikliniken Essen und Düsseldorf mit Verdi auf eine Vereinbarung "Entlastung" geeinigt. Vorausgegangen waren langwierige Streiks und Diskussionen. Was haben beide Kliniken seitdem für Pflegende erreicht, die primär mit der Vereinbarung entlastet werden sollten? BibliomedPflege hat nachgefragt und festgestellt: Die Kliniken haben zu kämpfen und versuchen viel, um sowohl vorhandenen Pflegenden gerecht zu werden als auch neue Pflegende für den Beruf zu begeistern und dabei gleichzeitig die Versorgungsqualität nicht zu vernachlässigen. Zwischen vereinbarten Zielen und realisierten Maßnahmen ist noch Platz.

UKD: "Wir wären gerne schon viel weiter"

Mit Unterzeichnung der Vereinbarung haben sich das Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) und das Universitätsklinikum Essen (UK Essen) verpflichtet, insgesamt 180 neue Stellen zu schaffen – 140 davon im Pflege- und Funktionsdienst.

"In der Besetzung der Stellen laufen wir dem in der Vereinbarung vorgegebenen Zeitplan leider hinterher. Das hat vielfältige Ursachen", muss der Leiter der UKD-Unternehmenskommunikation und -Pressesprecher, Tobias Pott, eingestehen. Der Markt für Pflegefachpersonal sei leergefegt. Dabei habe das UKD viele Maßnahmen ergriffen, wie Jobmessen, diverse Werbe- und Sozial-Media-Kampagnen. "Das allein reicht aber nicht, um alle vorgesehenen Stellen zu besetzen."

Täglich etwa 100 Betten nicht belegt

Täglich könnten im Rahmen des sogenannten Konsequenzmanagements etwa 100 Betten nicht belegt werden, um eine Überlastung insbesondere der Pflege zu vermeiden.

Alternativlösungen, wie der Ausbau von Zeitarbeitskräften, ließen sich derzeit nicht oder nur mit Komplikationen realisieren. Der Personalrat mache als Arbeitnehmervertretung von seinem Recht Gebrauch, viele Themen über mehrere Erörterungstermine hinweg zu diskutieren, heißt es aus der Unternehmenskommunikation. "200 Einstellungen im Rahmen von Arbeitnehmerüberlassungen wären möglich gewesen." 100 Interessenten seien aber aufgrund der Verfahrenslänge von oft mehreren Monaten wieder abgesprungen und hätten somit nicht mehr für als vorübergehende Entlastung zur Verfügung gestanden.

Auch die Einstellung von Pflegenden aus dem Ausland sei, wenn überhaupt, erst nach langwierigen Verhandlungen mit dem Personalrat zu bewerkstelligen, so Pott weiter.

Der Personalrat muss auch als Begründung herhalten, wenn es um die Einstellung von Pflege-Assistenten und Medizinischen Fachangestellten geht, die auf dem Arbeitsmarkt sofort verfügbar wären: Denn dagegen wehre sich der Personalrat. Dabei könne diese Berufsgruppe examinierten Pflegenden mehr Zeit am Patientenbett verschaffen, so die Argumentation des Pressesprechers.

Von bürokratischen Aufgaben befreit würden Pflegende aktuell über die vom Vorstand eingerichteten Stationssekretariate. Diese werden nicht auf die Soll-Besetzung der Station angerechnet.

Um die Verpflichtungen aus der Vereinbarung zu erfüllen, wolle das UKD mit einer großen Ausbildungsoffensive die Zahl der Ausbildungsplätze verdoppeln. Auch Auszubildende würden nicht auf den Dienstplan angerechnet, damit sie sich auf das Erlernen des Berufs konzentrieren könnten.

Mit einer erhöhten Zahl an Versorgungsassistentinnen und -assistenten, einem seit März geltenden "verbesserten" Tarifabschluss sowie ab 2020 rund 160 neuen Mitarbeiterwohnungen in fußläufiger Entfernung zur Klinik sorge das UKD "kontinuierlich" für verbesserte Rahmenbedingungen für Pflegende.

Aktuell arbeiten 108 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr am UKD als zum Zeitpunkt der Vereinbarung – rund 48 davon im Pflege- und Funktionsdienst.

UK Essen sieht sich auf einem guten Weg

Das UK Essen bleibt auf Anfrage vage und will keine konkreten Zahlen nennen, betont jedoch die enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Vertretern des Uniklinikums und Verdi.

Anders als das UKD setzen die Verantwortlichen in Essen verstärkt auf Zeitarbeitskräfte. Ihre Zahl sei erhöht worden, um kurzfristig – und wie vereinbart – für spürbare Entlastung zu sorgen und die spitzenmedizinische Versorgung weiterhin auf hohem Niveau zu gewährleisten.

Außerdem setzt die Uniklinik auf ein spezielles Integrations- und Ausbildungsprogramm für Flüchtlinge sowie ein Pilotprojekt, das sich auf Pflegende aus der Balkanregion fokussiert. "Die Region wurde bewusst als Partner gewählt, weil sie einen Überschuss an Pflegekräften hat", so der Leiter der Stabsstelle Marketing und Kommunikation am UK Essen, Thorsten Schabelon.

"Neben diesen zahlreichen Maßnahmen zur Gewinnung von Pflegefachpersonen für die Universitätsmedizin Essen im Hinblick auf Ausbildung, Werben von examiniertem Personal, Gewinnung ausländischer Pflegender und punktuellen Einsatz von Zeitarbeitskräften liegt unser Fokus auch auf Mitarbeiterbindung", sagt Pflegedirektorin und Vorstand Andrea Schmidt-Rumposch gegenüber BibliomedPflege. "Die berufliche Weiterentwicklung und die Vereinbarkeit von familiärer und beruflicher Lebenssituation unserer Pflegefachpersonen stehen in der Universitätsmedizin Essen im Fokus."

Unsere Zeitschriften


DIE SCHWESTER DER PFLEGER

12x jährlich

Die Schwester Der Pfleger -
Deutschlands meistabonnierte Pflegezeitschrift

Pflegen­Intensiv

4x jährlich

PflegenIntensiv ist das Spezialmagazin für Pflegende auf Intensivstationen, in der Anästhesie und im OP

Angehörige pflegen

4x jährlich

Angehörige pflegen ist auf die Bedürfnisse und Fragen pflegender Angehöriger zugeschnitten