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Pflege-Podcast

Geht ins Ohr, bleibt im Kopf

5 junge Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler der Universität Witten/Herdecke haben ein neues Angebot für Pflegende geschaffen – einen Podcast mit dem Titel "Übergabe". Wir sprachen mit den engagierten Teammitgliedern, was sie antreibt.

Den Übergabe-Podcast gibt es seit einem guten Vierteljahr. Was hat Sie als Team dazu bewogen, diese Audio-Serie zu starten?

Ich [Christian Köbke] höre viele Podcasts und dabei fiel mir auf, dass Audioformate zum Thema Pflege so gut wie nicht vorhanden sind. Es gibt zwar einzelne Formate, die sich mit Personalakquise oder Management ambulanter Dienste beschäftigen, aber eben kein Format, das aktuelle, relevante Pflegethemen bespricht und analysiert. Damit war es naheliegend, diese Lücke zu schließen. Die Idee war geboren. Das Konzept war in der Theorie schnell entwickelt, musste dann aber noch in die Umsetzung gebracht werden. Erste Gedanken dazu waren, die Themen in einem Dialog zu besprechen, damit Hörende einen Mehrwert durch verschiedene Standpunkte und Lehrmeinungen erhalten. 2 Kommilitonen, Alexander Hochmuth und Mike Rommerskirch, waren von der Idee direkt überzeugt und stiegen in das Projekt ein. Weibliche Unterstützung war schnell gefunden mit Eva Maria Gruber und Franziska Anushi Jagoda. 

Was wollen Sie mit dem Podcast erreichen? 

Wer fachspezifische Informationen haben möchte, muss viel recherchieren oder Zeitschriften abonnieren. Wir wollen mit dem Podcast Fachinformationen liefern, die wir in jeder Folge analysieren, sodass sich im Anschluss jede Hörerin und jeder Hörer eine eigene Meinung zum Thema bilden kann. Zu jeder Podcast-Folge stellen wir außerdem Links und weitere Infos bereit. Wer möchte, kann also bei Bedarf tiefer in die Thematik einsteigen. Der Podcast ist ein leicht zu konsumierendes Medium und kann problemlos auf dem Weg zur Arbeit, beim Einkaufen, Bügeln oder zum Einschlafen gehört werden.

Warum der Name "Übergabe" und warum die Form eines Podcasts?

Nachdem die Idee geboren war, hatten wir im Oktober 2018 ein langes Meeting, in dem wir von der Technik bis zum Namen alles besprechen mussten. Wichtig war uns, dass man am Namen den Bezug zur Pflege erkennen kann. Die Liste war tatsächlich sehr lang, wir konnten uns allerdings auf nichts einigen – bis irgendwann der Begriff "Übergabe" fiel. Auch das Logo sollte einen Bezug zur Pflege haben und nicht zu medizinisch wirken. Wir glauben, dass uns das recht gut gelungen ist. Das Medium Podcast wird immer beliebter. Wir erreichen damit viele Menschen verschiedener Altersgruppen und somit potenziell alle, die über ein Smartphone verfügen. Interessierte können gute Informationen an jedem Ort zu jeder Zeit hören, ohne etwas dafür zahlen zu müssen.

Wie haben Sie sich als Team gefunden?

Kennengelernt haben wir uns alle in Witten an der Universität, da wir unser Studium dort absolvieren bzw. absolviert haben. Die "Übergabe" steht allerdings nicht in Verbindung mit der Universität, wir haben dort lediglich studiert.

Von wo aus senden Sie?

Das ist flexibel, bisher haben wir aus pragmatischen Gründen meistens von der Uni in Witten aus gesendet. Wir haben bei unserer technischen Ausstattung aber bewusst darauf geachtet, mobil zu sein. Damit können wir auch längere Reisen unternehmen, sind flexibel in der Aufnahme und können uns nach unseren Gästen richten.

Wie finanzieren Sie den Podcast?

Das ganze Projekt ist aus eigener Tasche finanziert. Alles was die Hörerinnen und Hörer von uns empfangen, haben wir selbst produziert. Mittlerweile sind bei uns Spenden eingegangen, für die wir sehr dankbar sind. Damit haben wir die Möglichkeit, unsere Kosten zu decken und unsere Aufnahmetechnik zu verbessern. Wer uns ebenfalls unterstützen möchte, kann dies über unsere Homepage tun.

Erscheinen die Podcasts in einem festen Rhythmus?

Wir hatten zu Beginn mal einen Rhythmus von 4 bis 6 Wochen verabredet. Mittlerweile zeigt sich, dass wir etwa alle 2 bis 3 Wochen eine neue Folge veröffentlichen. Zum einen wollen wir aktuelle Themen aufgreifen und diese auch zeitnah senden. Zum anderen müssen wir genau schauen, wann freie Zeit für eine Aufnahme vorhanden ist. Wir alle sind berufstätig und außerdem, bis auf Alexander Hochmuth, mit unseren Qualifikationsarbeiten beschäftigt.

Sie stecken gemeinsam viel Energie in das Projekt. Lohnen sich diese Mühen?

Natürlich! Wir haben schon jede Menge Zuhörende bisher erreicht und erhalten immer viel Feedback zu unseren Folgen. Damit kommen wir in den fachlichen Austausch, was nicht nur uns, sondern auch den Zuhörenden hilft. Wir legen jede Menge Leidenschaft und viel Energie in das Projekt. Das würden wir aber nicht tun, wenn wir nicht auch jede Menge Spaß dabei hätten. Es ist schön, dass wir immer mehr Aufmerksamkeit erhalten, unsere Community wächst stetig und wir bekommen stetig neue Fans hinzu.

Wie bereiten Sie sich im Team auf ein Podcast-Thema vor?

Zu Beginn erstellten wir eine sehr lange Themenliste, an der wir uns grob orientieren. Wir fragen dann zu einzelnen Themen Expertinnen oder Experten an und gestalten mit diesen zusammen die Inhalte der jeweiligen Folge. Wir lesen uns dann in die Thematik ein – sofern es aktuelle Entwicklungen gibt, nehmen wir die natürlich mit auf. Wir sind aktiv auf Twitter und Facebook unterwegs, sodass wir stets up-to-date sind. Hinzu kommt, dass wir durch unsere berufliche Tätigkeit mit vielen Themen in Berührung kommen.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Gesprächspartnerinnen und -partner aus?

Wichtig ist uns die Fachexpertise zum jeweiligen Thema. Es muss nicht unbedingt jemand mit einem akademischen Titel sein. Hin und wieder erreichen uns Anfragen von Menschen, die mit uns etwas aufnehmen möchten. In solchen Fällen prüfen wir, ob das Thema in unser Konzept passt und ob diese Person geeignet ist, eine objektive Meinung zu einem Thema abzugeben. Die Objektivität ist uns ein hohes Anliegen, weil wir den Zuhörenden die Möglichkeit geben wollen, sich selbst eine Meinung zu bilden. Das erreichen wir nicht, wenn wir Werbeveranstaltungen von Trägern oder Verbänden liefern.

Bislang gibt es 7 Podcasts. Darin haben Sie bereits wichtige Themen besprochen, die derzeit Pflegende bewegen, wie Akademisierung, Pflegekammern oder das Pflegepersonalstärkungsgesetz. Haben Sie Sorge, Ihnen könnten irgendwann die Themen ausgehen?

Zu Beginn war die Sorge kurz vorhanden, aber mit Blick auf unsere Themenliste werden unsere Zuhörenden mindestens in den nächsten 2 Jahren viel von uns hören. Das Schöne an der Pflege ist, dass es immer aktuelle Themen gibt, die im Verlauf auch wieder aufgegriffen werden müssen, da die Entwicklung voranschreitet. Mittlerweile müssen wir Prioritäten setzen und Themen verschieben. Darüber hinaus gehen immer wieder Anfragen und Vorschläge ein, die wir berücksichtigen können, sodass wir eher Sorge haben, wichtige grundlegende Themen erst viel zu spät bringen zu können. Das Feld der Pflege ist im Laufe der Zeit enorm angewachsen, daher schaffen wir es nicht, in jeder Folge alle Settings zu berücksichtigen.

HINTERGRUNDFRAGE

Warum hat Pflegewissenschaft generell einen doch eher schweren Stand unter Pflegenden? 

Das ist nicht ganz einfach einzuordnen. Als erstes ist anzumerken, dass die Pflegewissenschaft eine junge Disziplin in Deutschland darstellt, aber noch einen eher geringen Stellenwert hat. Pflegende sind natürlich viel mehr damit beschäftigt, Dienste aufrecht zu erhalten, als wissenschaftliche Erkenntnisse bewusst umzusetzen. Hinzu kommt, dass viele Institutionen den Einzug der Pflegewissenschaft aus finanziellen Gründen nur bedingt zulassen und damit natürlich die weitere Entwicklung bremsen. Gleichzeitig bemerken wir, dass die Disziplin auf verschiedenen Ebenen immer mehr Akzeptanz erhält – sei es auf Bundesebene, bei der Entwicklung von berufspolitischen Strukturen, der Wissens- und Erkenntniserweiterung von pflegerisch-inhaltlichen Themen oder im direkten Theorie-Praxis-Transfer auf institutioneller Ebene. Diese Strukturen und auch die Akzeptanz müssen weiter ausgebaut werden. Dazu bedarf es jedoch nicht nur den Bestrebungen der Pflegewissenschaft, sondern eben auch einer Offenheit von Praktikerinnen und Praktikern, dem Management und anderen Professionen. Wer mehr darüber erfahren möchte, sollte in Folge 5 reinhören. Praxis und Wissenschaft müssen gemeinsam agieren, um die Versorgung zu verbessern. Damit sind wir Pflegewissenschaftlerinnen und Pflegewissenschaftler des "Übergabe Podcast" ein Teil der Pflege – nämlich der Teil, der Wissen schafft und ihn in die Praxis bringt.

Was werden die nächsten Themen im Podcast sein und was muss gegeben sein, damit ein Thema überhaupt relevant ist?

Wichtig ist uns der Bezug zur praktischen Pflege. Auf unserer Agenda stehen für die Zukunft Themen wie Ethik, Expertenstandards und Leitlinien oder Advanced Nursing Practice. Auch Community Health Nursing oder Personalbemessung wird eine Rolle spielen.

Es gibt sogar schon einen Fanshop. Sie rechnen also mit vielen Fans?

Wir freuen uns über jede und jeden, die oder der uns unterstützt, uns zuhört, sich an Diskussionen beteiligt oder uns einfach Feedback gibt. Die Pflegenden sind die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen. Wir sind vielleicht der bekannteste Podcast für Pflegende. Also warum sollten wir nicht mit vielen Fans rechnen? Wir bekommen in den sozialen Netzwerken immer mehr Follower – das freut uns. Ebenso freut es uns, dass wir von anderen Professionen gehört werden. Mittlerweile sind wir unter Medizinerinnen und Medizinern bekannt.

Herzlichen Dank für die Einblicke und weiterhin viel Erfolg.

So geht’s zum "Übergabe Podcast"

Web: www.uebergabe-podcast.de

mail: hallo@uebergabe-podcast.de

Facebook: facebook.com/uebergabe

Twitter: @uebergabe

Spotify: spoti.fi/2FpXE9X

iTunes: apple.co/2FmrEVa

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