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OP im Fokus: Pflegende haften in bestimmten Situationen voll

Wenn Pflegende ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachkommen, kann das für sie durchaus haftungsrechtliche Folgen haben. Darauf verwies der Jurist Dominik Roßbruch auf dem Symposium „OP im Fokus“ am vergangenen Freitag in Berlin. Er klärte auf über rechtliche Fallstricke und zeigte, was Pflegende beachten müssen. „Jede Pflegefachkraft ist selbst verantwortlich, sich zu informieren und auf dem aktuellen pflegewissenschaftlichen Kenntnisstand zu halten“, betonte der Jurist. Dazu dienten etwa Expertenstandards, Leitlinien der Fachgesellschaften oder Hygienevorschriften des Robert Koch-Instituts. Kämen Pflegende dieser Sorgfaltspflicht nicht nach, handelten sie fahrlässig. Je nach Schwere der Fahrlässigkeit habe das auch haftungsrechtliche Konsequenzen für Pflegende: „Wer in besonders schwerem Maße grob fahrlässig handelt, haftet grundsätzlich voll“, verdeutlichte Roßbruch. Allerdings seien in diesen Fällen vom Arbeitgeber gesetzte sogenannte gefahrengeneigte Momente zu berücksichtigen. Dazu zähle etwa Überlastung durch angeordnete Arbeitszeitüberschreitung oder durch personelle Unterbesetzung der Station. „Diese Momente können zu einer nicht unerheblichen Herabsetzung der Schadenersatzpflicht führen.“

Einrichtungen hätten mittlerweile erkannt, dass sie sich mit Risiken bei Organisation und Abläufen intensiver befassen müssen, betonte die Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, Hedwig Francois-Kettner. Gerade der OP-Bereiche sei ein zentrales Handlungsfeld. Denn eine OP könne mit zahlreichen Risiken für Patienten einhergehen. Allein im Jahr 2015 seien in Deutschland rund 3.000 Fremdkörper bei der OP im Patienten verblieben. 600 bis 700 Patienten seien an den Folgen gestorben. Mittlerweile gebe es zahlreiche Maßnahmen, die die Patientensicherheit im OP erhöhten. Dazu gehörten beispielsweise OP-Checklisten, Team-Time-Out, Zählkontrollen, Identifikationsarmbänder, eine präoperative Markierung der Eingriffsseite. „Viele Fehler resultieren aus mangelhafter Kommunikation“, weiß die ehemalige Pflegedirektorin der Charité. Ziel sei deshalb, „eine neue Sicherheitskultur mit einer guten Kommunikationskultur“ zu verbinden.

Mit rund 250 Teilnehmern trafen sich in diesem Jahr mehr Interessierte als im Vorjahr zu der traditionellen Veranstaltung von Aesculap Akademie und Bibliomed-Verlag. Ein breites Themenspektrum sorgte für abwechslungsreiche Fachinformationen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln.

Die nächste Veranstaltung findet am 6. und 7. Dezember 2018 statt. 

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