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Was muss ein Arbeitszeugnis leisten?

Unter Praktikern wird der Wert des Arbeitszeugnis zunehmend kritisch hinterfragt. Denn meist fällt die Bewertung nicht schlechter als „gut“ aus. Oft werden solche Arbeitszeugnisse bereits vom Anwalt vorformuliert. Der Grund: Unnötige und zeitlich bindende juristische Streitigkeiten sollen vermieden werden. Und viele Personalverwaltungen haben vor allem einen Satz im Ohr: „Das Zeugnis muss vom verständigen Wohlwollen des Arbeitgebers geprägt sein.“
Doch was muss ein Arbeitszeugnis wirklich leisten? Der Jurist Hans Böhme nennt die folgenden vier Grundsätze: Wohlwollen, Wahrheit, Klarheit und Vollständigkeit.

Wohlwollen: Das Zeugnis darf das berufliche Fortkommen des Arbeitnehmers nicht ungerechtfertigt erschweren und soll vom Wohlwollen des Arbeitgebers getragen sein. Die Betonung sollte dabei auf „ungerechtfertigt“ liegen.
Wahrheit: Das Zeugnis muss sowohl nach seinem Wortlaut als auch nach seinem Sinnzusammenhang objektiv richtig sein. Es ist eine Urkunde, die die Wahrheitsvermutung beinhaltet. Wohlwollen heißt nicht Lügen – auch nicht durch Weglassen.
Klarheit: Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen, als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtlich ist.
Vollständigkeit: Das Zeugnis muss alle wesentlichen Tatsachen und Bewertungen enthalten, die für die Gesamtbeurteilung des Arbeitnehmers von Bedeutung und für einen potenziellen künftigen Arbeitgeber von Interesse sind. Leistungen und Eigenschaften des Arbeitnehmers, die in einer bestimmten Berufsgruppe oder Branche üblicherweise erwähnt werden, müssen im Zeugnis somit mit aufgenommen werden.

Mehr zum Thema „Muss ein Arbeitszeugnis wahr sein?“ finden Sie im Rechtsrat der aktuellen Ausgabe „Die Schwester Der Pfleger“.

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