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Brysch: Patientensicherheit auf Tagesordnung setzen

Die Deutsche Hospiz Stiftung hat angesichts der gestern bekannt gewordenen Zahlen der Todesfälle durch ärztliche Behandlungsfehler oder mangelhafte Medizinprodukte dazu gemahnt, transparenter und offener mit Fehlverhalten umzugehen. Insbesondere der Anstieg der Todesopfer von Behandlungsfehlern mache deutlich, dass die Ärzte in Deutschland eine Kultur des Hinschauens leben müssten, zumal von einer noch deutlich höheren Dunkelziffer auszugehen sei. Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Patientenschutzorganisation für schwerstkranke und sterbende Menschen, forderte Ärzte, Krankenhäuser, Pflegeheime und Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr auf, das Thema Patientensicherheit auf die politische Tagesordnung zu setzen. Als Vorbild müsse die konzertierte Aktion von Verbänden, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Industrie gegen die hohe Zahl von Unfalltoten im Straßenverkehr sein. „Ein ähnliches Bündnis brauchen wir auch, um die Zahl der 1.712 Toten durch Behandlungsfehler zu verringern“, sagte Brysch gestern in Berlin.

Zuvor hatte die Bundesärztekammer für eine statistisch korrekte Aufarbeitung der Todesursachenstatistik geworben. Dazu gehöre die Berücksichtigung der Frage der Schuldhaftigkeit. „Abstoßungsreaktionen bei einer Transplantation können zum Beispiel häufig auftretende und den Patienten vorher mitgeteilte Komplikationen sein“, sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Auch Komplikationen bei Implantationen könnten Ärzten nicht angelastet werden, wenn es sich um zwar TÜV-geprüfte, aber fehlerhafte Produkte handele, wie etwa die berüchtigten PIP-Brustimplantate. „Im Gegensatz zur rein bürokratisch-statistischen ICD-10-Erfassung auf Grundlage der Totenscheine, die jetzt als reißerische Trendmeldung verkündet wird, weisen die von den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern erhobenen Statistiken auf Grundlage meist mehrerer unabhängiger Expertengutachten keine signifikanten Änderungen auf“, so Montgomery.

Die „Bild“-Zeitung hatte gestern aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zitiert, nach der 2010 in Deutschland 1.712 Menschen infolge von ärztlichen Behandlungsfehlern oder fehlerhaften Medizinprodukten gestorben sind. Experten zweifelten aber an Aussagekraft und Zuverlässigkeit der Zahlen. Der Leiter des Instituts für Patientensicherheit der Uni Bonn Andreas Hoeft bemängelte laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ das Fehler einer bundeseinheitlichen Statistik, da die von Gutachterkommissionen oder Versicherungen erhobenen Daten nur Ausschnitte darstellten. Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, dass zwei bis acht Prozent aller Krankenhauspatienten vermeidbare Komplikationen erlitten. Ein Sprecher des Aktionsbündnisses Patientensicherheit ging im selben Bericht davon aus, dass 0,1 Prozent aller Klinikbehandlungen den Tod zur Folge haben, was rund 17.500 Tote durch Kunstfehler pro Jahr bedeute. Die Gesundheitsexpertin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen Ilona Köster-Steinbach bezeichnete offizielle Statistiken gegenüber der „Ärzte Zeitung“ als unrealistisch, da sie nicht alle Todesfälle erfassen könnten. Die Konsequenz müssten schärfere Kontrollen nach dem Tod von Patienten sein.

Die Grünen-Sprecherin für Prävention und Patientenrechte Maria Klein-Schmeink forderte einen offensiven und transparenten Umgang behandelnder Einrichtungen mit Fehlern und ein verbindliches Meldesystem. „Es geht nicht darum Ärzte und Krankenhäuser an den Pranger zu stellen, sondern es muss darum gehen, eine Kultur der Fehlervermeidung und des Risikomanagements in der Breite zu etablieren und so bestehende Ansätze auszubauen“, sagte sie gestern in Berlin.

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