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Studie: Immer mehr Kliniken insolvenzgefährdet

Die wirtschaftliche Situation der deutschen Krankenhäuser hat sich nach Auffassung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in den vergangenen zwei Jahren weiter verschlechtert. Mittlerweile dürften sich 15 Prozent der Kliniken „im ‚roten Bereich‘ mit erhöhter Insolvenzgefahr“ befinden. Das geht aus dem heute in Berlin vorgestellten Krankenhaus Rating Report 2012 hervor, den das RWI gemeinsam mit seiner Tochterfirma HCB und der Unternehmensberatung Accenture erstellt hat. Schlecht ist es danach auch um die Investitionsfähigkeit der Kliniken bestellt: Nur rund die Hälfte erwirtschafte ausreichend hohe Erträge, um die Unternehmenssubstanz zu erhalten.

Langfristig rechnen die Autoren des Reports damit, dass die Kosten im Kliniksektor weiter stärker steigen als die Erlöse. Sie führen das auch auf die wachsende Krankenhausnutzung zurück. So seien die Zahl der stationär behandelten Fälle zwischen 2005 und 2010 um neun Prozent, die Erlöse aus DRG-Fallpauschalen um 25 Prozent gestiegen. Mehr als 60 Prozent dieser Zunahme gehe aber nicht auf demografische Veränderungen zurück, sondern auf medizinischen-technischen Fortschritt und vermehrte Angebote an die Patienten. Setzte sich dieser Trend fort, sei für den Zeitraum 2010 bis 2020 mit einer Zunahme der Fallzahlen um 13 Prozent zu rechnen, obwohl demografiebedingt nur mit fünf Prozent gerechnet werden dürfe.

2012 bezeichnet das RWI darum als einen „Wendepunkt“ für die Krankenhausversorgung und mahnt dazu, Instrumente zu finden, um die Mengendynamik zu bremsen und so das Gesundheitssystem zu entlasten. Eine Möglichkeit sei ein „Rechtehandel“, bei dem eine feste, jährlich anzupassende Menge an Rechten zur Abrechnung von Krankenhausbehandlungen ausgegeben würde. Mengenverhandlungen würden dann zwischen den Krankenhäusern stattfinden, statt wie bisher zwischen einzelnen Krankenkassen und Kliniken. So würden auch Anreize zur weiteren Spezialisierung und Konsolidierung gesetzt.

In einem zweiten Schritt müsse die Investitionsfähigkeit gesteigert werden. Hier empfiehlt das RWI, Krankenhäuser ohne erkennbare wirtschaftliche Zukunft oder Bedeutung für die regionale Versorgung aufzugeben und die knappen öffentlichen Mittel stattdessen effizienter zu verteilen. Dazu gehöre auch die Umwandlung in Pauschalen und die Übertragung der Verantwortung für die Nutzung an die Krankenhäuser. Zusätzlich müsse der Gesetzgeber die Rahmenbedingungen verbessern, etwa in dem er eine engere Zusammenarbeit zwischen stationärem und ambulantem Sektor erlaube oder generell mehr unternehmerische Freiheit gewähre.

Drittens sehen die Autoren des Reports eine beschleunigte Marktkonsolidierung. Eindrucksvollstes Beispiel hierfür sei die Übernahmeofferte von Fresenius für die Rhön-Klinikum AG und die angekündigte Fusion mit Helios zum mit Abstand größten Klinikbetreiber in Deutschland, der mit speziellen Angeboten einen Großteil der Gesellschaft erreichen könne. Die Folge wäre laut RWI eine Verschärfung des Wettbewerbs und das Aufbrechen von Strukturen, was langfristig zu einer patientenorientierten und sektorübergreifenden Medizin führen könne. Weitere Anbieter würden dem Beispiel folgen, der Krankenhausmarkt sich stark wandeln. Denkbar sei, dass sich schließlich fünf große überregionale Klinikverbünde mit insgesamt rund 60 Prozent Marktanteil herauskristallisierten, die eng mit starken Partnern aus dem kommunalen und universitären Bereich kooperieren und jeweils eine gemeinsame Dachmarke bildeten. Daneben könnten mehrere regionale Verbünde stehen, vor allem in kommunaler Trägerschaft sowie einige Solisten mit besonderen Nischenangeboten. 

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