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DBfK fordert Konsequenzen aus Hygieneskandal

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) hat Konsequenzen aus den jüngsten Hygieneskandalen um mit Darmbakterien und anderen Keimen infizierte Frühchen gefordert. „Das Problem reicht über die Charité hinaus. Wir brauchen eine Änderung der Krankenhausfinanzierung“, sagte die Geschäftsführerin des DBfK Nordost Anja Kistler gestern in Potsdam. Seit Einführung des DRG-Systems werde der finanzielle Rahmen der Krankenhäuser immer enger, worauf diese mit Kostensenkungen durch Stellenabbau reagierten. Gesetzliche Vorgaben wie etwa die für die Charité geltende Berliner Hygieneverordnung könnten die Hygieneprobleme der Krankenhäuser aber nicht lösen, wenn es an den für eine Umsetzung erforderlichen Rahmenbedingungen fehle.

Im Durchschnitt 150 hygienische Händedesinfektionen müssten Pflegende pro Arbeitsschicht durchführen. Dafür seien die Hände jeweils mindestens 30 Sekunden feucht zu halten, die Vor- und Nachbereitung nicht mit eingerechnet. Pro Schicht summiere sich dies auf eine benötige Zeit von einer Stunde und 15 Minuten, im Durchschnitt. „Die Pflegenden arbeiten hoch engagiert und dennoch kann es bei dem intensiven Arbeitsdruck vorkommen, dass punktuell die Desinfektion unterbleibt“, so Kistler. Politik und Krankenkassen warf sie vor, es offenbar billigend in Kauf zu nehmen, „dass notwendige Standards, auch in der Hygiene, aufgrund von Arbeitsverdichtung und Zeitdruck nicht immer erfüllt werden können.“ Den Pflegenden empfiehlt ihr Berufsverband, Überlastungsanzeigen zu schreiben.

In einem vor den Vorfällen auf der Frühchenstation geführten Interview mit dem Branchenjournal „Die GesundheitsWirtschaft“ hatte die Direktorin des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Charité, Petra Gastmeier, diese Argumentation jedoch zurückgewiesen. Ein Mangel an Zeit sei meistens kein Argument. „Bei einer hohen Arbeitsbelastung fühlt der Mitarbeiter manchmal, dass er keine Zeit für die Händedesinfektion mehr hätte. Wobei er sie mit hoher Wahrscheinlichkeit doch noch einrichten könnte.“ Ein größeres Problem ist für sie der Informationsmangel, vor allem bei den Medizinern, die sich im Studium zu wenig mit Infektionsprävention und Hygiene befassten und später oft schlechte Vorbilder in ihren Ober- und Chefärzten hätten. „Hier ist vor allem das Management, also der Ärztliche Direktor, gefragt. Er muss die Chefärzte auf dem Laufenden halten, was Hygiene betrifft und was er durchsetzen will.“ Das ausführliche Interview mit Gastmeier erscheint morgen in der Oktober/November-Ausgabe von „Die GesundheitsWirtschaft“.

An der Berliner Universitätsmedizin Charité ist vor rund eineinhalb Wochen ein mit einem Herzfehler geborenes Frühchen infolge einer Infektion mit Serratia-Keimen gestorben. Sieben weitere Säuglinge sind nach aktuellem Informationsstand erkrankt, bei weiteren 16 wurde der Keim nachgewiesen. Wie die Darmbakterien auf die Frühchenstation gelangt sind, ist noch unklar. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt aufgenommen. Die Charité selbst räumte gestern Fehler in ihrem Krisenmanagement ein. „Es wäre besser gewesen, schon am vergangenen Donnerstag die Öffentlichkeit zu informieren“, sagte der Ärztlicher Direktor der Uniklinik Ulrich Frei dem „Tagespiegel“. An diesem Tag war der Aufnahmestopp für zwei Frühchenstationen beschlossen worden. Der Grund für diese Maßnahme und der Tod des Säuglings wurde hingegen erst zwei Tage später bekannt gegeben.

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