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Im Kampf um die besten Pflegekräfte

Stell Dir vor, Du klingelst und keiner kommt. Das wird hoffentlich nie passieren, allerdings müssen Patienten in Kliniken oder auch Bewohner in Seniorenheimen häufig lange warten, bis jemand Zeit für sie hat.„Die Pflegekräfte sind oft überlastet – die Arbeitsverdichtung ist nicht nur gefühlt, sie ist schlichtweg Realität“, erklärte Prof. Dr. Michael Isfort bei der „9. Lindauer Pflegefortbildung“ in der Lindauer Inselhalle. Der Professor, der nicht nur Pflegewissenschaft lehrt, sondern auch Vorstandsmitglied beim „Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung“ (Köln) ist, begründet den Druck auf die Beschäftigten vor allem mit Personalknappheit.
Isfort: „Viele Pflegeeinrichtungen stoßen mit ihren Ressourcen an ihre Grenzen. Pflegepersonal ist am Markt nicht mehr zu kriegen.“ Zuletzt seien in der Branche bayernweit lediglich 480 Arbeitslose gezählt worden, gleichzeitig habe es aber doppelt so viele offene Stellen gegeben. Vor diesem Hintergrund komme der Bindung guter Kräfte eine immer größere Bedeutung zu, betonte der Pflegeforscher in seinem Vortrag vor über 200 Tagungsteilnehmern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Veranstalter des alle zwei Jahre stattfindenden„Lindauer Pflegetags“, bei dem verschiedene Referenten fachspezifische und aktuelle Fragen rund um das Thema Pflege aufgreifen, ist der Lindauer „Verein zur Förderung der beruflichen Fortbildung im Gesundheitswesen“ (VFG).
Zwar habe sich die Zahl der Pflegekräfte in Deutschland in den Jahren 1999 bis 2009 nahezu verdoppelt, berichtete Isfort. Demografisch bedingt würden aber die Personalressourcen in der Pflegebranchekünftig schrumpfen, zumal der Pflegeberuf unter Jugendlichen immer weniger gefragt sei. Demgegenüber werde jedoch – Stichwort Alterspyramide – die Zahl der Pflegebedürftigen noch weiter ansteigen. „Der Konkurrenzkampf zwischen den Kliniken hat längst begonnen – die kaufen sich gegenseitig ganze OP-Teams ab“, so der Professor.
Einen Ausweg aus der Misere sieht der Pflegeforscher in der Mitarbeiterbindung. „Einstellen und Entlassen war gestern. In Zukunft müssen sich die Arbeitgeber wieder mehr um die Pflegekräfte bemühen. „Die „Bindung guter Kräfte“ beginne bereits in den Ausbildungsstätten, ist Isfort überzeugt. Dort müssten die Kliniken informieren und künftige Arbeitskräfte akquirieren. Denn es sei schon „erstaunlich“, dass „50 Prozent der Pflegeschüler/innen nach dem Examen keine Zusage für eine Übernahme“ hätten. Isfort: „Qualifizierung geht vor Quantifizierung.“
Fragt man Auszubildende in der Pflege, was ihnen bei ihrer künftigen Arbeitsstelle am wichtigsten sei, so stehe an oberster Stelle das Betriebsklima, fuhr der Referent fort. Nicht das Einkommen sei für die Beschäftigten das Wichtigste, wie auch eine DGB-Studie von 2010 zeigt, sondern der „Sinngehalt der Arbeit“, gefolgt von „Kollegialität im Team“. Nicht weniger wichtig, speziell bei Pflegekräften, sei die Wertschätzung der Arbeit – seitens der Führungskräfte und des Arbeitgebers, aber auch als Bestandteil der Organisation. Wenn bei Beschäftigten der Eindruck entsteht, „die wollen mich ja nur fitmachen, damit ich an der Front länger durchhalte“, dann sei das sicher kein „wertschätzendes Gesundheitsmanagement“, gab Isfort zu bedenken.
Einen hohen Nutzen im Zusammenhang mit Mitarbeiterbindung hätten auch „Erfolgsbesprechungen“, wie Befragungen von Pflegekräften belegten, berichtete der Professor weiter. Dabei gehe es darum, „nicht nur Probleme zu diskutieren, sondern auch zu fragen, was wir schon erreicht haben“. Beispiele aus der Altenpflege wären etwa: „Wie ist es uns gelungen, die Zufriedenheit von Bewohnern zu fördern?“ oder „Wie ist es uns gelungen, eine Fixierung zu verhindern?“ Isfort abschließend: „Was nützt es, wenn wir ein Beschwerdemanagement aufgebaut, aber kein Rückmeldesystem installiert haben.“

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