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Studie: Deutschland rast auf Pflegefalle zu

27 Millionen Menschen werden sich in Deutschland im Jahr 2022 um Pflegefälle in ihrer Familie kümmern müssen. Zu diesem Ergebnis kommt eine gestern veröffentlichte Studie der R+V Versicherung, durchgeführt vom Allensbacher Institut für Demoskopie. Zu den heute bereits zehn Millionen pflegenden Angehörigen sollen spätestens in zehn Jahren noch einmal gut 17 Millionen hinzugekommen sein, basierend auf den Expertenschätzungen für den Anstieg der Pflegebedürftigkeit. Hauptbetroffene werden laut den Studienergebnissen die Frauen sein, die bereits heute doppelt so häufig wie Männer pflegebedürftig sind und überwiegend die Pflege von Angehörigen übernehmen. Eine „typische“ pflegende Angehörige ist nach den Erkenntnissen der Allensbacher Forscher 61 Jahre alt, verheiratet, Mutter von zwei erwachsenen Kindern, pflegt bereits seit mindestens drei Jahren und ist nicht berufstätig.

„Das Thema Pflege ist eine tickende Zeitbombe und hat eine genauso große Sprengkraft wie das viel diskutierte Thema Altersarmut“, sagte R+V-Vorstand Tillmann Lukosch gestern in Berlin. Denn die Frauen stecken laut der repräsentativen Untersuchung meist im Beruf zurück, arbeiten häufig nur in Teilzeit oder gar nicht und verdienen so bereits heute weniger und erhalten später eine geringere Rente. Nur 42 Prozent sind überhaupt berufstätig, 52 Prozent derer, die noch einer Arbeit nachgehen, tun dies nicht in Vollzeit. Dabei sagen 73 Prozent, sie stoßen auf Verständnis bei ihrem Arbeitgeber, 55 Prozent aber empfinden es trotzdem als schwer, Beruf und Pflege miteinander zu vereinbaren. 40 Prozent berichten zudem, dass die Pflege ihre Partnerschaft belaste, und zwei Drittel fühlen sich psychisch stark oder sehr stark belastet, unabhängig von Alter, Zeitaufwand und Pflegestufe des Angehörigen. „Durch die demografische Entwicklung wird Pflege zu einer immer größeren Herausforderung für das soziale Sicherungssystem, für die Familien und alle, die sich um eine tragfähige Infrastruktur für die Sicherung einer kompetenten und zugleich menschlichen Pflege bemühen“, sagte die Geschäftsführerin des Allensbacher Instituts Renate Köcher.

78 Prozent der Deutschen wünschen sich mehr Hilfe vom Staat beim Thema Pflege. Der soll zu allererst Menschen besser unterstützen, die Angehörige in den eigenen vier Wänden pflegen (88 Prozent), aber auch die Qualität von stationären Pflegeeinrichtungen besser kontrollieren (80 Prozent). Auch sollen die Vereinbarung von Pflege und Beruf besser werden (74 Prozent), Pflegesätze erhöht werden und mehr Heimplätze zur Verfügung stehen. „Die überwältigende Mehrheit der pflegenden Frauen hofft, dass die Politik Pflegende künftig besser unterstützt – durch einen Ausbau der Infrastruktur, vermehrte Qualitätskontrollen in Pflegeheimen, mehr finanzielle Unterstützung und eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“, so Köcher.

Für die Studie „Weil Zukunft Pflege braucht“ wurden im September dieses Jahres zunächst 1.558 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung geführt und anschließend noch einmal eine Stichprobe von 539 Frauen befragt, die bereits Familienangehörige pflegen oder in der nahen Zukunft pflegen werden.

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