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Weniger Antibiotika aber mehr Reserve-Wirkstoffe

Niedergelassene Ärzte haben Antibiotika in den letzten Jahr immer seltener verordnet. Das zeigt eine Untersuchung des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung (ZI). Kinderärzte sind bei diesem Trend demnach Vorreiter. Sorgen bereitet den Forschern jedoch der hohe Einsatz von „Reserveantibiotika". Hier stieg insbesondere der Einsatz sogenannter Cephalosporine an. Sie gelten „aufgrund ihres breiteren Wirkungsspektrums als Reservegruppe, die schweren Infektionen vorbehalten sein sollte", sagte der Leiter der ZI-Forschergruppe, Jörg Bätzing-Feigenbaum.

Zwar ist der Anstieg bei der Verordnung der Cephalosporine laut der Studie inzwischen zum Stillstand gekommen, die Wissenschaftler sehen aber dennoch Handlungsbedarf. Diese Wirkstoffe gelten als eine der Ursachen für die Entwicklung von Multiresistenzen, denen unbedingt entgegengewirkt werden müsse, schreiben die Autoren. Eine europäische Untersuchung aus dem Jahr 2010 habe gezeigt, dass in Norwegen, Schweden, Dänemark und Holland Cephalosporine in der ambulanten Therapie kaum eingesetzt werden. „Wenn dies dort klappt, sollte das auch bei uns funktionieren", sagte Bätzing-Feigenbaum am Dienstag in Berlin.

Obwohl die Antibiotika-Verordnungen Jahr für Jahr weniger werden, fällt diese Entwicklung laut den Wissenschaftlern des ZI bei verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich aus. Besonders deutlich ist dieser Trend bei Kindern: Die Ärzte verordneten Antibiotika in geringeren Dosierungen und seltener. Darüber hinaus sank im Beobachtungszeitraum auch der Anteil jener Kinder, die überhaupt antibiotisch behandelt werden auf deutlich unter 40 Prozent, nachdem er in 2009 darüber gelegen hatte. „Angesichts der Resistenzproblematik ist diese Entwicklung äußerst positiv", sagte Mitautorin Mandy Schulz.

Bei erwachsenen Patienten ist das Verordnungsverhalten der Ärzte hingegen stabil. In der großen Altersgruppe der 15-69-Jährigen besteht laut den Wissenschaftlern noch Spielraum nach unten, wenn leitliniengerechter behandelt würde. Der ebenfalls rückläufige Einsatz von Antibiotika bei älteren Menschen jenseits des 70. Lebensjahres könnte auch damit zu tun haben, dass diese Patienten bei Infektionen verstärkt in Kliniken eingewiesen und dort antibiotisch behandelt werden, vermuten die Autoren. Geografischer Spitzenreiter bei der Verordnung von Antibiotika sind Rheinland-Pfalz und das Saarland (siehe Grafik). Im Osten des Landes wird der Wirkstoff hingegen seltener verordnet.

In deutschen Krankenhäusern wird der Einsatz von Antibiotika auf gesetzlicher Grundlage überwacht, im ambulanten Bereich jedoch nicht. Die neue Studie des ZI liefert nach eigenen Angaben nun erstmals statistische Auswertungen, aus denen sich Trends ersehen lassen. Die Forscher analysierten den Antibiotika-Verbrauch auf der Basis der verordneten Packungen und definierten Tagesdosen sowie auf dem Anteil der Patienten mit mindestens einer Antibiotika-Verordnung.

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