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Zu wenig Reha und Zahnpflege für Pflegebedürftige

Die Bundesregierung erhält von Deutschlands zweitgrößter Krankenkasse Lob für ihre Pflegepolitik, allerdings macht die Barmer GEK in ihrem Pflegereport 2014 auch auf Missstände aufmerksam. „Wir finden eigentlich fast alles gut", sagte der Barmer-Vizevorstandsvorsitzende Rolf-Ulrich Schlenker am Dienstag bei der Vorstellung des Berichts in Berlin mit Blick auf das erste Pflegestärkungsgesetz. Allein dem beschlossenen Pflegevorsorgefonds erteile die Barmer eine Absage. Verbesserungspotenzial sieht die Krankenkasse vor allem in den Bereichen Reha und Zahngesundheit. Dies machte auch Heinz Rothgang, Professor für Sozialpolitik an der Universität Bremen und Mitautor des Reports, deutlich.

In dem Bericht selbst heißt es: „Zusammenfassend ergeben sich Hinweise darauf, dass die geriatrische Rehabilitation einen dämpfenden Effekt auf die Wahrscheinlichkeit des Pflegeeintritts hat." Dies zeige sich darin, dass die Bundesländer mit hohen Kapazitäten an Reha-Einrichtungen geringere Pflegeeintrittswahrscheinlichkeiten aufweisen. „Entsprechende Ergebnisse konnten im Allgemeinen, aber auch im speziellen Fall der Fraktur des Femurs gefunden werden", heißt es in der Studie. Der Ländervergleich gebe somit Hinweise darauf, dass geriatrische Rehabilitation den Pflegeeintritt vermindern könne.

Von einer „massiven Unterversorgung" mit zahnärztlichen Leistungen in der Pflege sprach Kassenvizechef Schlenker. Dadurch werde der Gesundheitszustand von Pflegebedürftigen „insgesamt gefährdet", etwa durch Bakterien im Mund. Das Pflegepersonal müsse in diesem Bereich besser geschult werden, forderte Schlenker. Dem stimmte Ökonom Rothgang zu. Das Problem eines schlechten Zahngesundheitszustands gebe es vor allem dann, wenn professionelle Pflegekräfte beteiligt seien. Wenn lediglich Geldleistungen bezahlt würden und die Angehörigen die Pflege in Eigenregie übernähmen, sei der Zugang zu Zahnärzten höher. Professionelle Pflegekräfte gingen „eher zu einer anderen Darreichung des Essens über", sagte Rothgang.

Dies sei auch mit fehlerhaften Anreizen verbunden: So bekämen Zahnärzte für Besuche in Pflegeheimen ein zufriedenstellendes Honorar. Allerdings gingen die Heime dabei leer aus. In einem Gastbeitrag für das Fachportal Station24 weist die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) darauf hin, dass Pflegeheime seit April dieses Jahres die Möglichkeit haben, mit Zahnärzten Kooperationsverträge abzuschließen. Auch das von der Bundesregierung geplante Versorgungsstärkungsgesetz verbessere die Möglichkeiten für eine bessere Zahnmedizin in der Pflege.

Lesen Sie mehr:

„Pflegekräfte sollen vermitteln und aufklären" – Gastbeitrag von Wolfgang Eßer, Vorstandsvorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) auf Station24

„Erste Stufe der Pflegereform beschlossen" – News auf Station24

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