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Nadelstichverletzungen: Altenpflege ist besonders gefährdet

Wer in der Altenpflege arbeitet, hat ein hohes Risiko, eine Nadelstichverletzung zu erleiden. Das belegt eine aktuelle Untersuchung der Initiative SAFETY FIRST!, die am Freitag auf dem Kongress Pflege 2015 in Berlin erstmalig vorgestellt wurde. Knapp 60 Prozent der insgesamt 336 befragten Mitarbeiter in der Altenpflege haben bereits einmal eine Nadelstichverletzung erlitten – sie verletzten sich im Schnitt dreimal in ihrem bisherigen Berufsleben. Die häufigste Ursache für eine Nadelstichverletzung in der Altenpflege stellen mit 40 Prozent Injektionen dar. Auch bei der Entsorgung medizinischer Instrumente und bei Abräumarbeiten (16,5 %) sowie beim Recapping und Blutzuckermessen (je 15 %) kommt es häufig zu Verletzungen.

Ein besonderes Problem: Trotz gesetzlicher Verpflichtung haben Arbeitgeber in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen nur begrenzte Möglichkeiten, die Verletzungsrisiken für ihre Mitarbeiter zu reduzieren. „Pflegepersonen müssen vielfach noch mit nicht-sicheren Nadeln arbeiten", erläuterte Professor Andreas Wittmann von der Bergischen Universität Wuppertal. „Knapp 70 Prozent der befragten Pflegefachpersonen gaben an, die Auswahl der Instrumente nicht beeinflussen zu können, da diese vom Hausarzt des Heimbewohners verordnet werden. Der aber hat den Arbeitsschutz der Pflegenden häufig nicht im Blick und verschreibt veraltete und unsichere Instrumente."

Dabei sind seit März 2014 auch die Arbeitgeber in ambulanten und stationären Altenpflegeeinrichtungen verpflichtet, ihre Mitarbeiter vor Stich- und Schnittverletzungen angemessen zu schützen. Laut der TRBA 250 (1) müssen auch in diesem Bereich nun verletzungssichere medizinische Instrumente zur Verfügung gestellt und genutzt werden. „Diese Voraussetzung ist aber vielfach noch nicht gewährleistet", bemängelt Wittmann, „ohne dass die Arbeitsgeber wirklich etwas ändern könnten."

Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen, dass mit 94 Prozent die Mehrheit der Teilnehmer über Nadelstichverletzungen und deren Folgen informiert ist. Ein Großteil der Arbeitgeber (64 %) schult seine Mitarbeiter umfassend zur Problematik der Nadelstichverletzungen und möglichen Sicherheitsmaßnahmen. Andrerseits kommt damit mehr als ein Drittel der Arbeitgeber dieser gesetzlich vorgeschriebenen Informationspflicht nicht nach. „Trotz des vergleichsweise hohen Wissensstandes praktizieren 30 Prozent der Befragten weiterhin das sogenannte Recapping, also das Wiederaufsetzen der Schutzkappe nach Gebrauch der Injektionsnadel", beklagte Sabine Ridder, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe, in Berlin. Das zeige, dass die von der TRBA 250 vorgeschriebenen Verhaltensregeln in der Pflegepraxis noch nicht hinreichend verankert sind. SAFETY FIRST! fordert deshalb, dass alle Arbeitgeber ihre Pflegekräfte umfassend und flächendeckend zur Vermeidung von Nadelstichverletzungen schulen müssen. Die Inhalte der TRBA 250 sollten außerdem fester Bestandteil der Pflegeausbildung sein.

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